Höhenangst in Frankfurt

Trading chart

20.11.2019 – Daily Report. Es geht bergab an der deutschen Börse: Die Anleger reagieren erschreckt auf Drohungen im Zollstreit von US-Präsident Donald Trump. Und auf die chinesische Reaktion zu einer Resolution des US-Senats wegen Hongkong. Zudem gab es in der US-Berichtssaison Enttäuschungen. Zu allem Übel warnt auch die Europäische Zentralbank (EZB) vor Risiken.

Frankfurt taucht ab

Der Cocktail aus negativen Nachrichten hat den DAX am Mittwochmorgen umgeworfen: Der Leitindex gab 1,1 Prozent nach auf 13.081 Zähler. Tags zuvor hatte er bei 13.367 noch ein neues Jahreshoch markiert. Die Anleger flüchteten zuletzt lieber in die sicheren Häfen. Gold zog um 0,4 Prozent an auf ein Zwei-Wochen-Hoch von 1479 Dollar je Feinunze. Zudem waren Bonds gefragt, die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihen rutschte auf minus 0,384 Prozent. Das war der tiefste Stand seit knapp drei Wochen.

Warnung von der EZB

Die Anleger reagierten erschrocken auf eine Warnung der europäischen Währungshüter. Die EZB sieht angesichts der anhaltenden Konjunkturschwäche und der ultratiefen Zinsen Gefahren für die Stabilität des Finanzsystems im Euro-Raum. Einerseits unterstützten die Niedrigzinsen die Wirtschaft, urteilte EZB-Vizepräsident Luis de Guindos bei der Vorlage des halbjährlichen Stabilitätsberichts. Ein daraus resultierender Anstieg der Risikobereitschaft könne aber mittelfristig Probleme für die Finanzstabilität schaffen. Die EZB verwies auf die hohen Schuldenstände und Haushaltsdefizite in manchen Euro-Ländern. EURUSD notierte bei 1,106.

Schrille Töne im Zollstreit

Zudem betrachteten die Anleger die Chancen im chinesisch-amerikanischen Zollstreit nun wieder skeptischer. Trump sagte gestern am Rande einer Kabinettssitzung im Weißen Haus: „Wenn wir keinen Deal mit China machen, erhöhe ich die Zölle nur noch weiter.“ Das „Wall Street Journal“ meldete unterdessen, beide Seiten blieben sich in Kernfragen uneinig. Dazu zähle die Forderung Washingtons nach chinesischen Einkäufen bei US-Farmern. Und die chinesische Forderung, Strafzölle zu beseitigen.

Peking reagierte zudem verärgert über einen Gesetzentwurf des US-Senats zur Unterstützung der Hongkonger Demokratiebewegung. Die Kammer will den Export von Tränengas, Gummigeschossen, Wasserwerfern und Handschellen an Hongkongs Polizei untersagen. Peking Außenamtssprecher Geng Shuang kritisierte die Beschlüsse als „unverhohlene Einmischung in innere Angelegenheiten“.

Asien-Börsen mit Verlusten

Die Anleger in Asien trennten sich erst einmal von ihren Aktien. In Tokio schloss der Nikkei 225 um 0,6 Prozent tiefer bei 23.148 Stellen. Der chinesische CSI-300 setzte um 1 Prozent zurück auf 3.908 Punkte.

New York dreht ab

Die Broker an der Wall Street hatten am Vorabend einen neuerlichen Rekordlauf bei den Standardwerten wieder abgebrochen. Der Dow Jones schloss letztlich mit einem Minus von 0,4 Prozent bei 27.934 Punkten. Der S&P 500 verlor 0,1 Prozent auf 3.120 Zähler. Für Verstimmung sorgten ein schwacher Ausblick der Baumarktkette Home Depot und eine Gewinnwarnung der Kaufhauskette Kohl’s – die Aktie brach um ein Fünftel ein. Unterdessen markierte der Nasdaq 100 einen neuen Schlussrekord mit plus 0,1 Prozent auf 8.339 Punkte. Zum Handelsstart hatten Dow, S&P 500 und Nasdaq 100 erneut Verlaufshochs erzielt.
Konjunkturdaten waren gemischt ausgefallen: So war die Zahl der Wohnungsbaubeginne im Oktober weniger stark geklettert als erhofft. Die Baugenehmigungen hatten hingegen überraschend auf ein Zwölfjahreshoch zugelegt.

Neues Schwemme-Signal bei Erdöl

Derweil freuten sich die Baissiers im Ölmarkt über einen überraschend starken Anstieg der US-Ölvorräte. WTI hielt sich moderat im Minus bei 53,33 Dollar, Brent bei 60,89 Dollar. Seit Wochenbeginn hat sich das Minus auf rund vier Prozent summiert. Die wöchentlichen US-Lagerbestände kletterten nach Daten des privaten Anbieters API um 6 Millionen Barrel – die meisten Analysten hatten nur ein Plus von 1,5 Millionen Barrel erwartet.

Spannung bei Sterling

Unterdessen richten sich die Augen der Devisen-Trader auf die Wahl in Großbritannien am 12. Dezember. EURGBP hielt sich bei 0,8569. Das erste Fernsehduell gewann Boris Johnson knapp, er erzielte laut YouGov 51 Prozent, befragt wurden mehr als 1.000 Zuschauer. Sein Widersacher Jeremy Corbyn kam demnach auf 49 Prozent. Und das, obwohl der blasse Labour-Funktionär weiter bei der Frage herum lavierte, ob er eigentlich pro oder contra Brexit ist. Jüngsten Umfragen zufolge liegen die Tories rund 10 Prozentpunkte vor Labour.

Das bringt der Tag

Wichtigstes Ereignis wird um 20.00 Uhr die Veröffentlichung des Fed-Protokolls vom 29. und 30. Oktober. Vermutlich wird daraus hervorgehen, dass die US-Notenbank vorerst mit weiteren geldpolitischen Schritten wartet.

Zudem steht um 14.30 Uhr der staatliche Ölbericht an.

Den kompletten Terminkalender sehen Sie wie immer hier: Market Mover
Die Bernstein-Bank wünscht erfolgreiche Trades!


Wichtige Hinweise:

Der Inhalt dieser Publikation dient ausschließlich allgemeinen Informationszwecken. Es handelt sich in diesem Kontext weder um eine individuelle Anlageempfehlung oder -beratung, noch um ein Angebot zum Erwerb oder der Veräußerung von Wertpapieren oder anderen Finanzprodukten. Der betreffende Inhalt sowie sämtliche enthaltenen Informationen ersetzen in keiner Weise eine individuelle anleger- bzw. anlagegerechte Beratung. Jegliche Darstellungen oder Angaben zu gegenwertigen oder vergangenen Wertentwicklungen der betreffenden Basiswerte erlauben keine verlässliche Prognose oder Indikation für die Zukunft. Sämtliche aufgeführte Informationen und Daten dieser Publikation basieren auf zuverlässigen Quellen. Die Bernstein Bank übernimmt jedoch keine Gewähr bezüglich der Aktualität, Korrektheit und Vollständigkeit der in dieser Veröffentlichung aufgeführten Informationen und Daten. An den Finanzmärkten gehandelte Wertpapiere unterliegen Kursschwankungen. Ein Contract for Difference (CFD) stellt darüber hinaus ein Finanzinstrument mit Hebelwirkung dar. Der CFD-Handel beinhaltet vor diesem Hintergrund ein hohes Risiko bis zum Totalverlust und ist damit unter Umständen nicht für jeden Anleger geeignet. Stellen Sie deshalb sicher, dass Sie alle korrelierenden Risiken vollständig verstanden haben. Lassen Sie sich gegebenenfalls von unabhängiger Seite beraten.

CFD sind komplexe Instrumente und gehen wegen der Hebelwirkung mit dem hohen Risiko einher, schnell Geld zu verlieren. 68% der Kleinanlegerkonten verlieren Geld beim CFD-Handel mit diesem Anbieter. Sie sollten überlegen, ob Sie verstehen, wie CFD funktionieren, und ob Sie es sich leisten können, das hohe Risiko einzugehen, Ihr Geld zu verlieren.