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Lehman-Saison in London

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05.10.2022  – Britische Kapriolen: Auf Druck der heimischen Pensionsfonds hat die neue britische Premierministerin Liz Truss ihre gerade verkündeten Steuerpläne wieder gekappt. Wie es aussieht, stand das britische Finanzsystem vorige Woche kurz vor dem Kollaps.

Sterling bietet für Trader mit dem richtigen Riecher aktuell einen gedeckten Tisch – hier der Vier-Stunden-Chart. Gerade hat Downing Street 10 unter dem Druck der eigenen Partei die Abschaffung des Spitzensteuersatzes wieder zurückgenommen. Das Problem für den Markt an dem von Truss vorgelegten Mini Budget war dies: Aus den Regierungsvorschlägen war nicht ersichtlich, wie die Pläne zur Steuersenkung und die wegfallenden Staatseinnahmen in Höhe von 45 Milliarden Pfund genau gegenfinanziert werden sollten. Soll heißen: Neue Schulden.

 

 

Quelle: Bernstein Bank GmbH

 

Jetzt tritt die Premierministerin die Flucht nach vorne an. So soll laut BBC die Präsentation des Haushaltsplans von Ende November auf Oktober vorgezogen werden. Damit soll der Kursverfall britischer Gilts umgekehrt und das Pfund stabilisiert werden. Der Markt braucht jetzt dringend neues Vertrauen.

London kurz vor der Finanz-Kernschmelze

Laut „Wirtschaftswoche“ stand die Londoner City vorige Woche vor einem Lehman-Moment: Pensionsfonds als eine tragende Säule der Altersvorsorge versprechen Anlegern oft eine fixe jährliche Ausschüttung. Und um diese leisten zu können, investieren die Fonds in der Regel einen guten Teil ihres Vermögens in heimische festverzinsliche Wertpapiere. Zusätzlich sichern sie sich mit Swaps ab. Im Fachjargon heißt das Liability-Driven Investing (LDI).

Margin Calls bei Pensionsfonds

Das Problem: Viele Pensionsfonds hebeln ihre LDI zusätzlich mit Fremdkapital. Und diese Hebel wurden großen Fonds fast zum Verhängnis: Wenn die Kurse von Staatsanleihen zu rasch und zu tief fallen, müssen die Fonds Sicherheiten nachschießen, weil gehebelte Positionen dann im Minus sind. Genau das passierte nach Ankündigung der Steuersenkungspläne im Mini Budget: Die Rendite zehnjähriger Gilts schoss von rund 3,5 auf rund 4,5 Prozent nach oben. Ergo sahen sich laut britischen Medien mindestens drei Pensionsfonds plötzlich Margin Calls von jeweils rund 100 Millionen Pfund gegenüber. Doch niemand wollte abgestoßene Anleihen aufkaufen, mit denen Geld für die LDI besorgt werden sollte.

Massive Intervention

Finanzminister Kwasi Kwarteng gab daher laut Bloomberg grünes Licht für eine größere Intervention, als bisher bekannt. Die Bank of England wollte nur 65 Milliarden Pfund einsetzen, letztlich schoss sie 100 Milliarden Pfund in den Markt.

Das Fazit für Trader und Investoren: Die Events in London sind möglicherweise ein Fanal für den Rest der Welt. De facto ist die Bank of England mit dem Anleihekauf in das Quantitative Easing zurückgekehrt. Weitere Zentralbanken könnten folgen. Denn niemand will den Systemkollaps riskieren. Steuersenkungen und das Ende bei Anleihekäufen dürften nach Meinung des Marktes erst dann gehen, wenn die Inflation gezähmt und die Gefahr einer Rezession gebannt sind. Das dürfte in Großbritannien noch lange nicht der Fall sein. Nur am Rande stellt sich die Frage, wie lange Truss sich halten kann – sie ist doch keine Eiserne Lady, obwohl sie einen neuen Thatcherismus beschwor. Nun droht Britannien die Rückkehr zu einer sozialistischen Schuldenpolitik. Wir behalten die Lage bei Sterling im Blick und wünschen viel Erfolg!

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Das Beben

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04.10.2022  – In Russland ist die politische Tektonik ins Rutschen geraten. Die Risse im System Putin sind inzwischen unübersehbar. Wir warnen vor heftigen geopolitischen Erschütterungen sowie Folgen den globalen Finanzmarkt. Und empfehlen dringend die Absicherung mit Puts.

Nicht nur der USDRUB – hier der Wochenchart – könnte bald erheblich durchgeschüttelt werden. Die Notenbank hat den Rubel nach der ersten Panik der Ukraine-Invasion durch Interventionen sowie drastische Repression stabilisiert. So wurden russische Exporteure verpflichtet, 80 Prozent ihrer Devisen-Einnahmen in Rubel umzutauschen. Ausländische Investoren  durften keine Transaktionen mehr vornehmen. Russische Bürger durften nicht mehr als 10.000 Dollar außer Landes bringen. Überweisungen ins Ausland wurden auf 5000 Dollar pro Monat gedeckelt. Geschäftsbanken durften keine ausländische Währung gegen Rubel verkaufen. Letztlich wirkte sich auch die Tatsache aus, dass Russland weniger Westware importiert.  Die Frage ist, ob es hier nicht bald wieder rund geht – und ob wir auf einen System-Kollaps zulaufen.

 

 

Quelle: Bernstein Bank GmbH

 

Es gibt einige Argumente für ein großes Beben: 1): Der Krieg ist im Bewusstsein der Massen angekommen. So sehen wir ein Fluchtbewegung sondergleichen aus Russland: Offenbar haben sich eine Viertel Million junger Männer ins Ausland abgesetzt, um der Mobilmachung zu entgehen. In der regimekritischen „Moscow Times“ haben sich gerade ein paar hochrangige Veteranen offen gegen den Krieg gestellt.

Fanal vor Bornholm

Besonders interessant ist 2) der ominöse Angriff auf die Nordstream-Gaspipelines in der Ostsee. Wenn es der Kreml war, fragt sich, warum das so lief. Gazprom hätte den Gashahn einfach zudrehen können. Oder es waren russische Putschisten, die mit der Gaslieferung nicht einverstanden sind. Dann wäre das eine Kampfansage an Wladimir Putin. Oder es war der Westen, um Deutschland davon abzuhalten, sich wieder an Russland anzuschleimen. Eine solche Attacke müsste der Kreml eigentlich als Kriegserklärung werten – doch Wladimir Putin beschwerte sich bislang nur, die USA steckten dahinter.

Blanke Nerven im Kreml

3): Mit Boris Reitschuster hat einer der besten deutschen Russland-Kenner „blanke Nerven“ und „gespenstische Szenen“ im Kreml konstatiert. So kommentierte der Ex-„Focus“-Korrespondent in Moskau die Annexionsfeier: „Das System ist dem Ende nahe, es gibt Zerfallserscheinungen. Zugespitzt formuliert, wirkten viele der Anwesenden wie Geiseln, die wider Willen an einer Veranstaltung teilnehmen müssen und gezwungen sind, mitzumachen und mit zu applaudieren. Ja, sie machten beinahe den Eindruck, traumatisiert zu sein.“ Zudem fehlte Patriarch Kirill, der kürzlich verkündete, der Tod im Krieg würde von allen Sünden befreien, er erkrankte „rechtzeitig“ an Corona.

Der Journalist analysierte weiter: „Nicht zu sehen war Generalstabschef Gerassimow, der oberste Militär: Entweder war er nicht dabei oder wurde versteckt vor den Kameras. Nur ganz hinten und so unauffällig platziert, dass es fast einer Degradierung gleichkam: Verteidigungsminister Sergej Schojgu.“ Und weiter: „Beim späteren Konzert auf dem roten Platz enthüllte eine kurze Einblendung, dass offenbar viele der Anwesenden schon vor Putins Rede gegangen sind.“

Unmut bei den Hardlinern

Besonders wichtig: „Nikolai Patruschew, Chef des mächtigen Sicherheitsrats und informell Nummer zwei im Staat, klatsche nach Putins Rede demonstrativ sehr verhalten, und hört dann auf zu klatschen, als die anderen noch weiter applaudieren.“ Wir meinen: Das ist vor laufenden Kameras in ein einem totalitären inneren Zirkel eine Herausforderung für den Woschd – den Führer an der Spitze. Patruschew ist unser Kandidat Nummer Eins für einen Putsch gegen Putin.

Dazu passen die Beobachtungen des „Institute for the Studies of War“ (ISW): Demnach haben die verkorkste Teilmobilmachung und die Niederlage in Charkiv und Lyman die Hardliner aufgerüttelt. Erstaunlich sei die öffentliche Kritik von Ramsan Kadyrow und Jewgeni Prigoschin, Chef der Söldnertruppe Wagner an Armee-Kommandeur Alexander Lapin und General Waleri Gerassimow. Damit griffen sie indirekt auch Putin an, konstatierte das ISW. Weiter erhielten aggressive russische Milblogger zunehmend Gehör in den staatlichen Medien. Ihre Forderungen nach einem totalen Krieg plus Atomschlag und der Besetzung der gesamten Ukraine heizten die Stimmung erheblich an.

Drohender III. Weltkrieg

Wie eine Antwort des Westens aussehen könnte, hat gerade der frühere CIA-Chef und General David Petraeus vorgezeichnet. Dem US-Fernsehsender ABC sagte er, die NATO unter Führung der USA könnten konventionell sämtliche russischen Truppen in der Ukraine und im Schwarzen Meer ausschalten. Ein nuklearer Angriff dürfe nicht unbeantwortet bleiben. Na dann – einfach mal eine ganze russische Armee eliminieren, der Weltkrieg wartet.

Das Fazit aus alledem: Falls der Umsturz kommt, wird es interessant an Wall Street und co. Oder aber Putin kämpft sich in der Ukraine frei, möglicherweise atomar, dann steht der Welt eine Eskalation bevor. Mit ebenfalls heftigen Folgen für den Finanzmarkt. Ein weiteres Szenario, das wir noch nicht erkennen, ist die Möglichkeit eines Staatsstreichs von pro-westlichen Kräften, die Russland von den Nationalbolschewisten im Kreml befreien. Die Bernstein Bank behält die Lage für Sie im Blick!

Aufregung bei Aluminium

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30.09.2022  – Potenzieller Game Changer bei Aluminium: Die London Metal Exchange denkt über einen Boykott von russischen Importen nach. Dies offenbar als Antwort auf die Verschärfung der Lage in der Ukraine und vielleicht auch auf Druck der neuen britischen Regierung in der Downing Street 10. Der Preis von Aluminium hat damit einen kräftigen Schub erhalten.

Spannung im Metall-Markt: Die Nachrichtenagentur Bloomberg meldete, die London Metal Exchange diskutiere einen Bann für neue russische Ware. Die LME bereite eine Richtlinie vor, in der geklärt wird, unter welchen Umständen Metall aus Rossia nicht mehr eingeführt werden darf. Die Börse selbst erklärte: “The LME continues to take the required action to ensure market stability in response to sanctions.” Der Preis von Aluminium sprang daraufhin um 8,5 Prozent nach oben – der größte jemals registrierte Tagesgewinn. Auch Nickel zog um 5 Prozent an und Zink um gut 4 Prozent. Kein Wunder, die Börse in London ist immerhin der weltweit größte Marktplatz für Futures und Forwards. Der Markt jedenfalls ist aufgerüttelt, wie Sie im Stundenchart sehen.

 

 

Quelle: Bernstein Bank GmbH

 

Wie sich die Sache bei Aluminium weiter entwickeln könnte, zeigt der Blick zurück: Im Februar und März zogen die Preise für das Leichtmetall kräftig an bis auf neue Rekordwerte. Denn vor rund einem halben Jahr kursierten wegen der Ukraine-Invasion erstmals Ängste über einen Ausschluss von russischem Metall vom Markt. Zudem zog die Nachfrage im Zuge der Corona-Öffnung an.

Positionswechsel der LME

Jetzt ist wieder der Ukraine-Krieg das dominierende Thema. Zwar ist noch keine endgültige Entscheidung in London gefallen. Doch deutet sich hier ein bedeutender Positionswechsel an. Bisher hat der Handelsplatz immer darauf verwiesen, er wolle nicht über den westlichen Sanktionsrahmen hinaus aktiv werden. Womit die Geschäfte mit Rusal oder Norilsk Nickel weitgehend unangetastet blieben. Rusal hatte vor knapp zwei Wochen übrigens angekündigt, LME-Lager in Asien direkt zu beliefern, wohl in einem Versuch, westliche Sanktionen zu umgehen.

Tauziehen um den Alu-Preis

Ist damit eine Trendumkehr beim Marktpreis eingeleitet? Die Antwort auf diese Frage ist schwierig. Denn der Markt wurde zuletzt auch von Sorgen nach unten gezogen, dass eine Rezession die Nachfrage abwürgt. Der Branchendienst „Metal Miner“ wies gerade auf ein paar gegensätzliche Fakten hin. So schrumpfe das Angebot wegen der Schließung von Hütten in Europa und in China, ausgelöst durch die anziehenden Energiepreise. Zudem sinke die Nachfrage, vor allem in der Volksrepublik China und dort besonders stark im Bausektor. Jedoch gebe es in den USA schon ein zu niedriges Angebot an Getränkedosen, sodass die Lieferzeiten und bald auch die Preise anziehen dürften – was für eine verstärkte Nachfrage nach Aluminium spreche.

Unser Fazit: Die bestimmenden Faktoren bei Aluminium sind eine mögliche Rezession, Probleme in der Herstellung durch hohe Energiekosten und Sanktionen im Zuge des Ukraine-Krieges. Behalten Sie in dieser Gemengelage also die Realtime-News im Blick – die Bernstein Bank wünscht erfolgreiche Trades und Investments!

Panik der Pensionsfonds

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29.09.2022  – Fortsetzung der Sterling-Story: Wir haben gerade schon wieder eine Intervention erlebt. Diesmal hat die Bank of England durch Käufe von Staatsanleihen das britische Pfund gestützt. Und den britischen Finanzmarkt gleich mit. Denn offenbar grassierte unter Pensionsfonds die Panik. Die Lage im Vereinigten Königreich ist deswegen so interessant, weil sie ein Lehrstück dafür bieten könnte, was in Euroland oder in den USA blüht.

Mächtig Movement im Devisenmarkt: „Cable“ hat eine imposante Kehrtwende eingelegt, wie Sie im Stundenchart sehen. Der Grund: Die Bank of England teilte mit, sie werde mit einem vorübergehenden Programm zum Kauf von Staatsanleihen für Stabilität auf den Finanzmärkten sorgen. Das Ziel sei es, „materielle Risiken für die finanzielle Stabilität des Vereinigten Königreichs“ abzuwehren. Wir hatten ja jüngst an dieser Stelle geäußert, dass es nach einer Intervention riecht.

 

 

Quelle: Bernstein Bank GmbH

 

Kein Wunder, es geht ums Ganze – Systemstabilität. Der Hintergrund sind die vor dem Wochenende angekündigten Pläne zur Steuersenkung, in Höhe von 45 Milliarden Pfund, um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln. Wir hatten gerade darüber berichtet. Parallele Ausgabenkürzungen kündigte London nicht an, weshalb die geplanten Maßnahmen die Staatsverschuldung in die Höhe treiben dürften.

Flucht aus Gilts

Die Anleger reagierten und flohen aus britischen Anleihen. Tatsächlich sind zuletzt die Renditen für britische Gilts kräftig nach oben geschossen. Der US-Fernsehsender CNBC meldete, der eigentliche Grund für den Eingriff sei die Tatsache, dass bei den Pensionsfonds schlicht Panik herrsche. Einige der gehaltenen Bonds hätten in wenigen Tagen rund die Hälfte ihres Wertes verloren. Und noch sei die Lage für viele Fondsmanager nicht bereinigt – wir vermuten weitere Intervention von Westminster oder der BoE. Oder einen Politikwechsel.

Weg mit QT

In diesem Sinne äußerten sich Antoine Bouvet, James Smith und Chris Turner, Ökonomen bei der Bank ING: Es wäre definitiv besser, wenn die Notenbank auf lange Sicht Gilts kaufe und das Quantitative Tightening aussetze. Genau darauf hofft auch der globale Finanzmarkt, wie sich an der weltweiten Kettenreaktion zeigte. So zogen beispielsweise US-Aktien davon, weil die Gefahr einer Ansteckung aus Großbritannien erstmal gebannt scheint. Auch Commodities profitierten vom steigenden Appetit auf Risiko und der Dollar zog sich zurück.

Die Moral aus der Geschicht: Quantitative Tightening und Rezession passen nicht. Vielleicht haben wir gerade aus London den ersten Beleg dafür gesehen, dass die Notenbanken notfalls doch den Kurs ändern. Denn eigentlich bedeutet QT ja das Ende von Anleihekäufen, um kein Kapital in den Markt zu leiten und damit die Inflation anzuheizen. Die Bernstein Bank behält die Lage für Sie im Blick!

Turbo-Thatcherismus von Truss

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26.09.2022  – Großbritannien legt eine ambitionierte Steuersenkung vor. Der Markt befürchtet eine zu hohe Staatsverschuldung mitten in eine Rezession hinein. Das Pfund stürzt ab. Jetzt riecht es nach einer Gegenreaktion der Bank of England. Und langfristig könnte sich der tollkühne Plan der neuen Eisernen Lady Liz Truss durchaus bewähren.

Heftig, heftig, was bei „Cable“ so los ist. Das Pfund stürzte gerade ab auf den niedrigsten Stand seit 1985. Außerdem läuft eine Erholung, wie Sie im Vier-Stunden-Chart von GBPUSD sehen.

 

 

Quelle: Bernstein Bank GmbH

 

Auslöser des jüngsten Flash-Crashes war der neue britische Finanzminister Kwasi Kwarteng. Mit der Vorstellung seines ‚mini-budget‘ rüttelte er die Trader wach. Er verkündete: „turn the vicious cycle of stagnation into a virtuous cycle of growth“.

Entlastung für Firmen und Topverdiener

Soll heißen: Die UK-Wirtschaft soll einen Schock-Start erhalten, indem der Staat auf 30 Milliarden Pfund Steuern pro Jahr verzichtet. Der Minister kündigte an, den Basis-Einkommensteuersatz im kommenden Jahr von derzeit 20 Prozent auf 19 Prozent zu senken. Der Spitzensteuersatz ab Einkommen von 150.000 Pfund fällt von 45 Prozent auf 40 Prozent. Die geplante Erhöhung der Körperschaftssteuer um sechs Prozentpunkte fällt weg, es bleibt bei 19 Prozent. Das ist der größte Cut seit den 1970er Jahren.

Der Chancellor jubilierte: „That means a tax cut for over 31 million people in just a few months‘ time,“ he told parliament. „That means we will have one of the most competitive and pro-growth income tax systems in the world.“ Zudem soll der Bonusdeckel für Banker abgeschafft werden. Ferner werden fast 40 neue „Investmentzonen“ mit niedrigen Steuern und geringen Auflagen geschaffen. Zugleich soll der Staat Energiehilfen für Verbraucher und Firmen in Höhe von 150 Milliarden Pfund ausschütten.

Die neue Thatcher-Revolution

Die neue Chefin in der Downing Street Number 10 hatte ja schon angekündigt, was sie vorhat: Liz Truss  verkündete am Rande der UN-Vollversammlung nichts weniger als eine zweite „Thatcher-Revolution“.  Das Problem dabei: Der Markt befürchtet mehr Inflation, weil alles erst einmal auf Pump finanziert wird. Schon jetzt liegt die Teuerung auf der Insel bei 9,9 Prozent.  Cable dürfte zum Dollar erst wieder überzeugend und langfristig zulegen, sobald die Bank of England drastische Schritte einlegt und die Zinsdifferenz zu Amerika schließt. Aktuell liegt der Leitzins in Großbritannien bei 2,25 Prozent. In den USA sind es 3 bis 3,25 Prozent wobei neue US-Zinsschritte schon avisiert sind.

Die Bullen lauern

Schon ist im Finanzmarkt die Rede von einer kurzfristig einberufenen Krisensitzung der Bank of England. Vielleicht sehen wir auch gerade eine günstige Einstiegsgelegenheit. Letztlich dürfte die Wirtschaftspolitik von Truss genau das bewirken, was schon Margaret Thatcher schaffte. Die Eiserne Lady war 1979 angetreten, um die Strangulierung einer sozialistischen Politik zu beenden. Auf der Insel war einiges verstaatlicht worden: das Gesundheitssystem; die Stahlindustrie und der Kohlebergbau, Teile des Einzelhandels, Hotels und sogar Reisebüros. Allumfassende Fürsorge, hohe Steuern, träge Bürokratie und mächtige Gewerkschaften. Die Insel verlor an Wettbewerbsfähigkeit, die Industrie spielte im globalen Geschäft kaum noch eine Rolle, das Pfund war im freien Fall.

Dann die Wende. Damals wie heute dürften erfolgreiche Firmen und Fachleute  zuhauf nach England ziehen. Die Industrie wird brummen; Top-Verdiener, die sich ein Cottage oder ein gutes Leben gönnen, werden eine Menge Steuern in die Staatskasse spülen. Wir sind gespannt, wie sich die Lage weiterentwickelt – und wünschen erfolgreiche Trades und Investments!

Yentervention

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23.09.2022  – Großereignis am Devisenmarkt: Die japanische Notenbank hat interveniert und den Yen gestützt. USDJPY reagierte umgehend und heftig. Wir fragen uns jedoch, ob das gewünschte Ergebnis – ein stärkerer Yen – Bestand haben wird.

Welch eine Woche: Gleich mehrere Notenbanken haben die Zinsen erhöht. Und das größte Ereignis an diesem „Super Bank Thursday“ war die Intervention in Tokio. Der erste Schritt dieser Art seit 24 Jahren – Dollar verkauft, Yen gekauft; 2011 war es umgekehrt – erwischte viele Trader auf dem falschen Fuß. Viele waren davon ausgegangen, dass Tokio nur blufft. Somit ging es heftig bergab, wie Sie im Stundenchart von USDJPY sehen. Doch nach Vorlage der US-Arbeitslosenzahlen erholte sich der Greenback wieder etwas. So lagen die Neuanträge auf Arbeitslosengeld bei 213.000, erwartet worden waren 218.000. Und inzwischen scheint der Effekt schon wieder zu verfliegen.

 

 

Quelle: Bernstein Bank GmbH

 

Die Intervention war recht trickreich ausgeführt und sollte offenbar so viel wie möglich Spekulanten niedermähen. Denn die Bank of Japan tat erstmal gar nichts – sie beließ am Donnerstag die kurzfristigen Zinssätze bei minus 0,1 Prozent und ihr Ziel für die Rendite der zehnjährigen Japan-Bonds bei 0,25 Prozent. Notenbank-Gouverneur Haruhiko Kuroda teilte mit, dass er eine Straffung der Geldpolitik nicht für ein geeignetes Mittel zur Stabilisierung des Yen hält. Und der Markt ging davon aus, dass alles auf Sicht von zwei bis drei Jahren so bleiben wird. Daraufhin rutschte der Yen auf ein 24-Jahres-Tief.

Und dann kam die Kehrtwende. Masato Kanda, Vize-Finanzminister für internationale Angelegenheiten, sagte Reportern, Japan habe mit einer mutigen Aktion in den Markt eingegriffen.

Notenbank vs. Finanzministerium

Viele Trader hatten zuvor die jüngsten Warnungen aus der Politik als billigen Bluff abgehakt. So hatte jüngst Finanzminister Shunichi Suzuki gesagt, Tokio schließe keine Schritte aus, um den Fall des Yen zu stoppen, einschließlich staatlicher Interventionen. Doch nach dem Statement der Notenbank gingen Trader davon aus, dass der Yen weiter schwindsüchtig bleibt. Aus der Ferne betrachtet sieht das alles nach einem Konflikt zwischen Finanzministerium und den Währungshütern aus.

Inflation kein Problem?

So spielte Notenbank-Chef Kuroda die Teuerung herunter. Er hatte kürzlich erklärt, dass die Inflation wahrscheinlich bis 2023 auf 1,5 Prozent zurückgehen wird. Im August hatte die Verbraucherinflation in Japan allerdings August 3 Prozent erreicht und zum fünften Monat in Folge das Ziel der Bank von 2 Prozent übertroffen. Vermutlich sieht die BoJ ein Ende externer Schocks wie den Ukraine-Krieg oder die gestörten Lieferketten im Zuge von Corona. Plus ein Anspringen des Export-Motors, was den Yen stützen würde.

Das Finanzministerium beurteilt die Sache wohl anders. Das Problem: Mit dem schwachen Yen werden Importe teurer, da der Nippon bei Lebensmitteln und Energie weitgehend von Einfuhren abhängig ist. Und hier klettern die Preise rasant. Somit setzte die Politik eine Intervention durch.

US-Rendite vs. Forex-Reserven

Die Frage ist nun wie es weitergeht. Tokio verfügt über Devisenreserven in Höhe von umgerechnet 1,3 Billionen Dollar – der zweitgrößte Bestand auf der Welt nach China. Das ist eine Menge Munition, um den Yen immer wieder mal zu stützen. Allerdings wird die japanische Währung von einem gewaltigen Strom nach unten gezogen – und das ist die Zinsdifferenz zu den USA. Der Rendite-Bedarf von institutionellen Investoren überall auf der Welt und nicht zuletzt in Japan, die derzeit massenhaft US-Bonds kaufen, dürfte dem Yen bald wieder zusetzen. Wir sind gespannt, wie es weitergeht – die Bernstein Bank wünscht erfolgreiche Trades und Investments!

Die Fed hält Kurs

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22.09.2022  – Nach dem Zinsentscheid der Federal Reserve sortiert sich der Markt. Klar ist, dass die US-Notenbank das Tightening weiter durchzieht. Wir beleuchten, was das für einige Assets bedeuten könnte.

So viel vorab: Der große Gewinner bleibt der US-Dollar. US-Staatsanleihen werfen attraktive Renditen ab, für den Einkauf von US-Bonds nehmen Anleger in großem Stil Greenbacks auf. Erst wenn die anderen Notenbanken auf der Welt ebenfalls drastisch an der Zinsschraube drehen, dürften andere schwächelnde Währungen wieder aufholen. Hier EURUSD im Wochenchart.

 

 

Quelle: Bernstein Bank GmbH

 

Damit zu den Fakten: Die Fed hat zum dritten Mal infolge den Leitzins um 0,75 Prozentpunkte angehoben. Die Zinsen für Übernachtausleihungen von Banken bewegen sich jetzt im Korridor von 3 und 3,25 Prozent.

Higher for longer

Da wird wohl noch mehr kommen: Fed-Chef Jerome Powell betonte, die Notenbank werde die Geldpolitik weiter straffen, bis es überzeugende Belege für ein Nachlassen der Inflation gibt. Die Reduktion der Teuerung verlange eine längere Periode, in der das Wirtschaftswachstum unter dem Wachstumstrend und dem Potential der Volkswirtschaft liege. Außerdem müsse sich der Arbeitsmarkt abkühlen. Powell kündigte erneut Schmerzen für die Wirtschaft und Verbraucher an. Somit stellte er weitere Zinsschritte in Aussicht.

Der Glauben an eine Kehrtwende – Englisch: Pivot – ist inzwischen fast überall aus dem Markt verschwunden. Die Erwartung für das obere Ende des Zinskorridors liegt bei 4,4 Prozent zum Jahresende 2022. Und damit kommen wir zu den wahrscheinlichen Folgen für einige Assets.

Aktien eher short

Bearish ist die Angelegenheit vor allem für Hightech-Aktien. Zum einen weil sich die Kreditaufnahme bei jungen Firmen weiter verteuert. Zum anderen weil im wichtigsten Modell zur Aktienbewertung, dem Discounted Cash Flow, der Zins eine Rolle spielt. Höhere Zinsen gleich niedrigere Bewertung.

Aber auch Zykliker und defensive Aktien dürften in der allgemeinen Risikoscheu unter die Räder geraten. Die hohe Inflation sorgt schon für Zurückhaltung bei den Konsumenten – vor allem, wenn diese Angst haben, in einer Rezession den Job zu verlieren. So vermutete Goldman Sachs gerade, dass die Fed den S&P 500 bis auf 2.900 Zähler herunterprügeln könnte.

Unklare Lage bei Gold

Kniffliger ist die Lage bei Gold. Der Preis hat sich trotz steigender Inflation in Vorwegnahme von Zinserhöhungen tendenziell gen Süden bewegt. Zudem stoppte die neue Konkurrenz der Crypto-Währungen die Kauflaune. Wenn die Zinsen steigen, ist das normalerweise auch ein Stopper für Edelmetalle – denn wenn jemand einen attraktiven Kupon bei Bonds erhält, ist das ein Argument gegen Gold. Zumal hier noch Bankgebühren für das Schließfach bezahlt werden müssen oder Kosten anfallen für einen eigenen Safe zuhause.

Doch viele Experten befürchten eine Rezession durch die erhöhten Zinsen. Und Sachwerte schützen nicht nur gegen den Verfall der Kaufkraft. Sondern auch vor einer Deflation – soll heißen, dem totalen Zusammenbruch der Wirtschaft. Wenn Banken umkippen und kein Bargeld mehr akzeptiert wird, sind Gold- und Silbermünzen für viele die rettende Alternative.

Wir hoffen, dass wir Ihnen mit der kurzen Analyse ein wenig Licht in den Nebel des Marktes werfen konnten. Wir bleiben für Sie am Ball – die Bernstein Bank wünscht erfolgreiche Trades und Investments!

 

Eskalation und Implosion

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21.09.2022  – Alarmstufe Rot für Trader und Investoren: Russland eskaliert den Ukraine-Krieg. Dazu gesellt sich die Federal Reserve mit ihrem Zinsentscheid.

Wir können uns kein Szenario vorstellen, das für Aktien bärischer wäre als das aktuelle – und bullisher für Energie und den Dollar. Wladimir Putin tritt nach der erfolgreichen ukrainischen Gegenoffensive rund um Charkiw die Flucht nach vorne an. Mit der Teilmobilmachung und der indirekten Drohung eines Atomschlages heute Morgen hat Putin die Welt näher an den Atomkrieg gebracht. Klar ist, dass die sogenannten Volksrepubliken Luhansk und Donezk durch Scheinreferenden in die Russische Föderation eingegliedert werden sollen. Und damit wäre ein Krieg gegen sie auch ein Krieg gegen Russland. Die erste Reaktion am Ölmarkt auf die Rede von Putin  sehen Sie schon im Stundenchart der Ölsorte WTI.

 

 

Quelle: Bernstein Bank GmbH

Jetzt hat der Westen die Wahl zwischen zwei äußerst unangenehmen Optionen: Entweder er lässt die Ukraine fallen, friert die Waffenlieferungen ein und setzt auf Appeasement. Diese Linie dürfte in Rom, Berlin oder Madrid favorisiert werden. Dann könnte es jedoch beispielsweise in Deutschland einen Regierungswechsel geben. Oder aber die Ukraine wird endlich effektiv mit großen Mengen an modernen Waffen versorgt und Russland wird in die Knie gezwungen. Diese Linie sehen wir in Washington, Warschau oder London.

Mögliche Panik bei Öl und Gas

Auch für Putin ist die Lage prekär. Bei einer Niederlage in der Ukraine dürften er und seine Silowiki Geschichte sein. Und eine Implosion der Russischen Föderation erfolgen. Ende Februar hatten wir an dieser Stelle geschrieben, dass Wladimir Putin mit der Invasion der Ukraine sein Afghanistan eingeleitet hat. Das Scheitern der Sowjets am Hindukusch war der Vorbote für das Ende der Sowjetunion. Genauso könnte es Russland jetzt ergehen. Mit Folgen für die Börsen und auch für den Energiemarkt. Denn Russland ist mit rund 5 Millionen Barrel pro Tag einer der größten Exporteure von Erdöl. Auch bei Erdgas würde der Markt dann in Panik geraten.

Wie stabil ist Russland?

Tatsächlich scheint die Macht des Kreml zu schwinden. So meldete die ukrainische Führung im Zuge der Gegenoffensive gerade die Flucht von rund 13.000 russisch-stämmigen Kollaborateuren – vor allem aus der Verwaltung. Das russische Belgorod bestätigte eine solche Flüchtlingswelle. Somit scheinen die Steigbügelhalter vor Ort offenbar den Glauben an einen Sieg Russlands verloren zu haben. Die Nachbarn werden dreister. So ist der jüngste Überfall von Aserbaidschan auf Armenien sicher kein Zufall – Eriwan steht immerhin unter russischem Schutz. Die überwiegend islamischen Teilrepubliken im Süden Russlands könnten stärker nach Unabhängigkeit streben, allen voran Tschetschenien.

Die große Gefahr ist China

Kasachstan hat sich geweigert, die pro-russischen Separatistenrepubliken völkerrechtlich anzuerkennen und streckt die Fühler nach Peking aus. China selbst braucht dringend Ackerland und könnte eines Tages Sibirien annektieren, wenn in Russland Chaos tobt – mit genau der gleichen Begründung, mit der Russland gerade in der Ukraine vorgegangen ist. Nämlich der, dass Millionen von chinesischen Wanderarbeitern in Russisch-Fernost unterdrückt werden.

Schwelende Konflikte

Georgien könnte versucht sein, die beiden von Moskau unterstützten Pseudo-Republiken auf seinem Territorium zu tilgen. Die Republik Moldowa könnte mit Hilfe der Ukraine die russische Enklave Transnistrien ausmerzen. Belarus als letzter russischer Verbündeter in Europa wackelt – bei einem Umsturz müsste Moskau eingreifen. Gleiches gilt, falls die Ukraine, Kasachstan oder auch die baltischen Staaten die russischen Minderheiten als Unruheherd aus dem Land werfen. Der Kreml hat ja gerade den Schutz der Auslandsrussen unter dem Konzept Russki Mir (Russische Welt) bekräftigt. Eine Flüchtlingswelle würde die russische Wirtschaft zudem stark belasten.

Das Fazit aus alledem: Falls unsere Beobachtungen stimmen, steht uns an den Börsen sowie am Öl- und Gasmarkt einiger Tumult bevor. Behalten Sie also die Lage im Blick – und bereiten Sie sich vor. Die Bernstein Bank wünscht erfolgreiche Trades und Investments!

 

 

Risk Off

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20.09.2022  – Risikoscheu am Finanzmarkt – die Federal Reserve wirft ihren Schatten voraus. Vor allem Hightech-Titel litten zuletzt. Und Cryptos mit ihnen, denn Bitcoin ist Tech. Jetzt testet BTC eine wichtige Chartmarke.

Viele Anleger versilbern aktuell ihre Ersparnisse und verkaufen, was sie haben. Bitcoin beispielsweise. Eine kurze, grobe Chartanalyse mit Blick auf den Tageschart verheißt nichts Gutes. So hat BTC die seit Juni eingezogene Unterstützung gebrochen, siehe rote Linie unten. Zwar berappelte sich der Kurs wieder, doch die Linie ist erstmal perforiert. Meist ist das ein Vorbote für einen kompletten Durchbruch nach unten.

 

 

Quelle: Bernstein Bank GmbH

Der Grund für die schlechte Performance ist vor allem die Geldpolitik und die makroökonomische Lage. An der Wall Street und den Weltbörsen gilt es als ausgemachte Sache, dass die Fed am morgigen Mittwoch einen Zinsschritt von 75 Basispunkten einlegt. Einige erwarten sogar 100 Basispunkte. Und ein Anheben der Leitzinsen in einigen Monaten bis auf 4,5 Prozent. Genauso hat sich nach der Warnung von FedEx die Überzeugung ausgebreitet, dass eine globale Rezession bevorsteht.

Hohe Rendite bei Bonds

Da fliehen große Adressen doch lieber in sichere US-Staatsanleihen, die gerade attraktive Zinsen versprechen. Die zehnjährige US-Anleihe beispielsweise rentiert mit 3,489 Prozent, falls held to maturity, sofern sie also bis zur Endfälligkeit gehalten wird – die höchste Rendite seit einem Jahrzehnt. Und zweijährige US-Anleihen rentieren mit 3,946 Prozent so hoch wie seit 15 Jahren nicht mehr. Nicht nur in den Vereinigten Staaten dürften auf Sicherheit bedachte Anleger in Bonds fliehen. In dieser Woche könnten auch die  Notenbanken in Schweden, der Schweiz, Norwegen und England die Zinsen anheben. Laut Bloomberg könnten wir einen kombinierten Zinsschritt von 500 Basispunkten sehen – da wird eine Menge Kapital aus dem Markt gesaugt.

Angst vor der Rezession

Und wie geht es weiter? Wir sehen aktuell keinen Trend in Richtung Risikofreude. Die Skepsis ist mit Händen zu greifen. „The aggressive tightening of policy in the coming 4-6 months, not just in the US but globally, increases the risk of a recession next year,” urteilte Maria Landeborn, Senior Strategist bei der Danske Bank. Und weiter:“We expect uncertainty will remain high surrounding inflation, rates and the overall economy, which is negative for market sentiment and risk assets.”

Kampf gegen Cyber Crime

Doch vielleicht ist gerade das die Chance. Sobald alle depressiv und am Boden zerstört sind, kommt die Wende. Doch wann wird das sein? Zudem gibt es einen weiteren Faktor bei den Cryptos, den Sie in der Fachpresse im Auge behalten müssen: Der Kampf der westlichen Industriestaaten gegen Cyber Crime. „Follow the money“ lautet hier die Devise – Fahnder spüren gerade in großem Stil anonyme Wallets auf, viele IT-Kriminelle sind nervös und verkaufen. Siehe die Selbstabschaltung und Aufspaltung der russischen Bande „Conti“ nach Veröffentlichung von Interna im Zuge des Ukraine-Krieges und nach der Ausrufung eines Kopfgeldes von 10 Millionen Dollar durch das FBI. Wir behalten die Lage für Sie im Blick. Und wünschen erfolgreiche Trades und Investments!

 

Der Einzelgänger

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19.09.2022  – Der Yen schwächelt ungebremst weiter. Was am Negativzins liegt – Japan ist der einsame Verfechter der anhaltenden Geldflutung. Die Frage aller Fragen für den Yen: Wird die Bank of Japan den Kurs ändern oder nicht?

How low can you go? Der Yen schwächelt ungebremst, USDJPY läuft wie auf Schienen nach oben. Siehe unseren Tageschart mit der 50-Tage-Linie. Der Yen hat zum Dollar gerade den schwächsten Stand seit über zwei Jahrzehnten markiert. Seit 1998, um genau zu sein.

 

 

Quelle: Bernstein Bank GmbH

Kein Wunder: Während die US-Notenbank beherzt die Zinswende umsetzt, hält die Bank of Japan den Leitzins seit 2016 bei minus 0,1 Prozent. Die japanische Notenbank hat sich stattdessen dafür entschieden, die Rendite der zehnjährigen Japan-Bonds bei rund 0,25 Prozent einzufrieren. Wir sind gespannt, wie sich die Bank of Japan bei ihrem nächsten Zinsentscheid am 22. September positioniert.

Zaghafte verbale Intervention

Gerade hat der Markt aufgehorcht. Denn Hirokazu Matsuno, Japans oberster Kabinettssekretär, erklärte, dass die Regierung bereit sei, jede mögliche Entscheidung zu treffen, um den japanischen Yen zu stabilisieren. Der Markt hat sich bislang unbeeindruckt von den Ankündigungen gezeigt und die verbale Intervention schnell abgehakt.

Mögliche Kapital-Repatriierung

Doch für das Finanzblog „ZeroHedge“ ist der aktuelle Aufwärtstrend bald Geschichte. Japan sei ein Netto-Kapital-Exporteur, will heimische Investoren verstärkt im Ausland investierten. Einheimische Anleger hätten viele ausländische Assets gekauft, internationale Investoren hätten sich in Japan zurückgehalten. Zudem sorgten die steigenden Energiepreise für einen Ausfluss an Kapital. In normalen Zeiten würde der schwache Yen den Export ankurbeln. Allerdings hätten zuletzt die Importe die Ausfuhren überwogen. Ferner sei der Tourismus im Zuge von Corona eingebrochen. Was sich nun aber ändern könne. Wir ergänzen: Gleiches gilt für den Export – wenn sich die Importlage zusammen mit Corona im Rest der Welt stabilisiert, könnten günstige und hochwertige japanische Güter gefragt sein. Heimelektronik, Autos, whatever.

Der Katapult

Somit könne der Yen zum Katapult werden, fuhr „ZeroHedge“ fort. Jede heimische Krise könne umgehend dafür sorgen, dass Geld repatriiert werde. Und mit einer Net International Investment Position von umgerechnet 3,5 Billionen Dollar würde das zu einer heftigen Yen-Rally führen. Wobei wir uns fragen, welche Krise das wohl sein könnte.

Keine nennenswerte Inflation

Unsere Gegenstimme: Solange nicht die seit Jahrzehnten andauernde Flaute der japanischen Produktivität beseitigt ist, dürfte der Zins in Japan nicht steigen. Denn höhere Zinsen würden die Kreditaufnahme abschwächen und die Wirtschaftsleistung bremsen. Ferner haben Japaner kein Problem damit, sich in Zeiten steigender Inflation einzuschränken. Zumal die Inflationsrate auf dem Nippon sowieso nur bei 2,6 Prozent liegt. Daher könnte es für USDJPY aus Sicht der Bullen durchaus noch schlimmer kommen: Anfang der 70er Jahre stand der Yen zum Dollar bei rund 350.

So sieht auch Jesper Koll, Direktor bei der Investmentboutique Monex Group, den Yen auf dem Weg zu 150 bis 160. Koll sah vor einigen Tagen im Gespräch mit CNBC zwei mächtige Kräfte am Werk: Die Ausweitung der Zinsdifferenz zu den USA und das japanische Leistungsbilanzdefizit. Die Entwicklung der Währung laufe wie aus dem Schulbuch und basiere vorhersehbar auf Fundamentaldaten.

Bleibt wiederum festzustellen, dass die japanische Notenbank die Börse überraschen könnte. Shorties könnten dann auf dem falschen Fuß erwischt werden. Andererseits könnte der erwartete Turnaround noch ewig dauern. Wir hoffen, dass Sie bei der Abwägung der Argumente richtig liegen. Die Bernstein Bank behält die Lage für Sie im Blick!

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