Ausblick 21: E-Yuan und Ripple als Omen für BTC

Trading pen

29.12.2020 –Special Report. China wird voraussichtlich 2021 als erstes Land der Erde eine digitale Währung einführen. Peking wird damit früher oder später das Bargeld abschaffen, Schwarzgeld und Korruption eindämmen und über die Währung mehr globale Macht gewinnen. Der Auftritt der E-Devise ist auch eine Gefahr für Bitcoin. Denn die Cryptos sind der Politik ein Dorn im Auge, wie gerade der Fall von Ripple belegt.

Rabobank: Der Yuan auf dem Weg zum Dollar-Konkurrenten

Peking macht keine halben Sachen – und nimmt die Vorreiterrolle in Sachen digitale Währung ein. Wim Boonstra von der Rabobank urteilte, China werde als erstes Land überhaupt in 2021 eine elektronische Devise ausgeben. Diese Central Bank Digital Currency (CBDC) werde wie Bargeld funktionieren und dieses letztlich wohl auf Sicht eines Jahrzehnts abschaffen.

China verfolge damit einige wichtige Ziele: Zunächst sollen laut Rabobank WeChat und AliPay als Anbieter im Zahlungssystem ausgeschaltet werden. Weiter solle das Cash eliminiert werden, um vor allem die auf dem flachen Land grassierende Kriminalität – vor allem das illegale Glücksspiel – auszutrocknen. Die Regierung in Peking wolle hier die volle Kontrolle, konkret: „a more Soviet model of banking, viz. banking under full state control“.

Eindämmung von Kapitalflucht und Korruption

Ferner solle die Kapitalflucht eingedämmt werden: Zum einen würden chinesische Firmen aktuell im internationalen Handel höhere Rechnungen stellen, um Geld ins Ausland zu bringen. Die Rabobank geht hier politisch korrekt nicht näher auf das Thema ein, doch wir helfen aus: In China gibt es ein uraltes Geldwäsche-System namens „Fei Qian“ – fliegendes Geld. So wurden die ersten Geldscheine genannt. Doch heute ist damit gemeint, dass ein Chinese im Ausland, etwa in Frankreich, einen Strohmann beauftragt, der für einen kleinen Aufpreis Yuan aus China heraus bringt. Etwa, indem er 100 Tonnen Öl nach China verkauft, dafür aber eine Rechnung und Geld über 200 Tonnen erhält. Der Geschäftspartner tauscht die Yuan in Euro um, behält eine Provision ein und gibt den Rest des Geldes nach Frankreich weiter. Zum anderen diene der Bitcoin als Fluchtwährung, fuhr die Rabobank fort. Wir meinen: Was Peking enorm stören dürfte, da so Schwarzgeld und Schmiergeld diskret gewaschen werden.

Angriff auf konkurrierende Währungen

Ferner könne Peking die neue digitale Währung dazu benutzen, die finanzielle Souveränität anderer Staaten anzugreifen, ergänzte die Rabobank. So werde der E-Yuan wohl bald im bilateralen Handel eingesetzt. Das Fazit der Bank: Die neue E-Währung werde die chinesische Volkswirtschaft erheblich stützen. Überhaupt sei es das Ziel von Peking den Dollar als globale Handelswährung zu ersetzen.

Wir meinen: Wenn es gelingt, die Kapitalflucht zu stoppen, heißt das nichts anderes, als dass weniger Yuan in Dollar, Bitcoin oder Euro umgetauscht werden – was dem Yuan einige Stärke verleihen dürfte. Doch wir sehen noch einen ganz anderen Aspekt: Alles in allem hat der Markt die Gefahren eines staatlichen Schlages – als erstes von China, dann von anderen Ländern – gegen Bitcoin und andere E-Währungen noch gar nicht eingepreist.

Bitcoin: Kunden der Deutschen Bank sind bullish

So befragte die Deutsche Bank jüngst ihre Kunden zum Thema Bitcoin. Die sind weiter bullish, was angesichts der Entkernung der globalen Währungen durch die Welle an Hilfsgeldern nicht verwunderlich ist. Der leitende Kredit-Stratege Jim Reid urteilte: „central banks have driven us here and in turn have also driven Bitcoin to the spectacular year.“ Und so wollte die Bank wissen, wo BTC nach Meinung ihrer Kunden zum Jahresende 2021 stehen wird. Hier die Antwort: 27 Prozent glauben, dass der Preis unter 20.000 Dollar sinkt. 41 Prozent sehen für die kommenden zwölf Monate einen Preis zwischen 20.000 und 49.999 Dollar. Und 12 Prozent glauben sogar an über 100.000 Dollar. Der Schnitt der Antworten lag bei rund 40.000 Dollar. Dabei blenden die Crypto-Jünger offenbar ein Ereignis aus, das gerade ein Omen für Bitcoin und die anderen E-Devisen ist: Die Vernichtung von Ripple.

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Ripple als Omen an der Wand

Während Bitcoin zuletzt neue Rekorde markierte, sah es bei der Cyberdevise XRP ganz anders aus. Die vom Bezahlnetzwerk Ripple ausgegebene weltweit drittgrößte Kryptowährung nähert sich konsequent dem Kursziel Null. Der Grund: Die US-Börsenaufsicht SEC hat Anklage gegen Ripple erhoben. XRP sei ein Wertpapier, Ripple habe dieses nicht registriert und trotzdem an private Anleger ausgegeben. Nun teilte die Crypto-Börse Coinbase mit, dass sie als Reaktion auf die SEC am 19. Januar den Handel mit XRP einstellen wird. Auch die Crypto Exchange beendet alle Trades am 04. Januar, kleinere Börsen wie OSL, Beaxy und CrossTower folgen.
Unser Fazit: Es ist erstaunlich, dass die SEC erst jetzt losschlägt. Die Attacke auf Ripple könnte als Übung für größere Manöver dienen. Beispielsweise für einen Frontalangriff auf Bitcoin. Denn während es schwierig ist, überall auf der Welt dezentrale Rechner stillzulegen, um die Blockchain auszuschalten, ist es doch recht einfach, über die großen Börsen den Markt auszutrocknen, indem einfach eine Währung zum nicht registrierten, illegalen Asset erklärt wird. Das dürften die Regulierer jetzt gelernt haben. Merke: Währungen sind ein wichtiges Instrument der Politik, unkontrollierbare Konkurrenten zu Yuan, Euro, Dollar und co. sind daher den Herrschern ein Dorn im Auge. Diesen Aspekt sollten Sie bei Ihren Trades nie vergessen. Die Bernstein-Bank wird die Sache für Sie im Auge behalten.


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