Countdown zum Roten November

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21.07.2020 –Special Report. Stichtag Sonntag, 26. Juli: Noch 100 Tage bis zur Wahl des US-Präsidenten. Scheinbar liegt der Demokrat Joe Biden mit seiner angekündigten neuen sozialistischen Politik uneinholbar vorne. Die Bären feiern schon. Doch vielleicht haben die Meinungsforscher einfach nichts dazugelernt und Donald Trump schafft den Triumph – und dann rollt eine ganz andere rote Welle über die USA hinweg. Merke: Die Farbe der Republikaner ist Rot. Wir beleuchten die Hintergründe und die Folgen für die Wall Street.

United Socialist States of America

In der besten verfügbaren Umfragensammlung, der von RealClearPolitics.com, liegt Biden mit gut 8 Prozentpunkten vorne. Erstaunlich, denn der Herausforderer hat zuletzt einige extrem linke Positionen vertreten: sofortige Steuererhöhung für Unternehmen, Ausstieg aus fossilen Energieträgern, Einsatz von Steuergeldern für Abtreibungen und natürlich die kostenlose Gesundheitsversorgung für illegale Migranten. Er versprach zudem, während der ersten 100 Tage seiner Amtszeit die Deportation von kriminellen Illegalen zu stoppen. Weshalb Star-Autor Joel B. Pollak mit seinem neuen Buch „Roter November“ auch die Möglichkeit einer Revolution andeutet. Er glaubt: Entweder die Demokraten ruinieren sich selbst oder sie bauen die neuen United Socialist States of America auf. Nicht gut für die Börse.

Kunden von Goldman werden nervös

Goldman Sachs vermutet, nach einem Sieg von Biden würden die Unternehmenssteuern von 21 auf 28 Prozent steigen. Trump hatte den Satz von 35 auf 21 Prozent gesenkt. Dazu kämen andere Biden-Steuern und eine Delle im Bruttoinlandsprodukt. Die Kunden der Investmentbank seien schon recht nervös – ein Wahlsieg der Dems würde 20 Dollar vom Gewinn je Aktie im S&P 500 auf dann noch 150 Dollar wegnehmen. Die Goldmänner schränkten ein, es komme darauf an, wie der Markt andere Faktoren beurteilten – die USA könnten wieder eine weniger aggressive Handelspolitik einschlagen und sich in internationale Organisationen einreihen.

VIX-Call im November

Goldman erwartet wegen einer verlängerten Auszählung im Zuge der verstärkten Briefwahl zu Corona-Zeiten auch erhebliche Unsicherheit nach der Wahl – immerhin stehen auch Neuwahlen im Kongress an. Wir ergänzen: Die Briefwahl ist anfällig für Wahlbetrug. Goldman sieht jedenfalls einige Volatilität in den Wochen nach der Wahl und riet zum Dezember-Future im Angstindikator VIX (Stichtag: 18. Dezember).

BlackRock gibt sich skeptisch

Reuters konstatierte jüngst, an den Terminmärkten würden so viele Wetten gegen die US-Währung geschlossen wie seit zwei Jahren nicht mehr. Laffer Tengler Investments beispielsweise löste demnach seine Dollar-Positionen auf, da ein Sieg Bidens zu einem langsameren Wachstum und Druck auf die US-Währung führen würde. Das BlackRock Investment Institute senkte Reuters zufolge seine Ratings für US-Aktien, da Bedenken über nachlassende fiskalische Anreize und Wahlunsicherheit bestünden. “Die beiden Parteien sind in ihrer Politik so weit voneinander entfernt wie nie zuvor, so dass sich das Ergebnis auf die Märkte auswirkt”, fassten die Analysten von BlackRock zusammen.

UBS und Helaba bearish bei Energie- und Finanzaktien

Eine mögliche neue Regulierung durch eine demokratische Regierung könnte zudem Gegenwind für Energie- und Finanzwerte bedeuten, urteilte weiter UBS Global Wealth Management. “Biden würde sich wohl dem derzeitigen internationalen Mainstream anschließen, was vermehrte Anstrengungen zum Vermeiden von Treibhausgasen angeht”, hieß es bei der Helaba.

Morgan Stanley neutral

Einzig Morgan Stanley urteilte, es sei egal, wer die Wahl gewinne. So werde eine Steuererhöhung von einem höheren Mindestlohn und einer besseren Gesundheitsvorsorge ausgeglichen. Auch werde die Außenpolitik weniger konfrontativ sein. Zudem gebe es da noch die staatliche Ausgabenpolitik: „investors may be too focused on the tax side of the equation, overlooking the support for aggregate economic demand from fiscal expansion.“

China-Appeasement voraus

Wir ergänzen: Vermutlich würde Washington unter Biden wieder in eine China-freundlichere Politik einbiegen, inklusive Wegfall der Zölle. Alle US-Aktien, die von diesem Dumping betroffen wären, dürften abtauchen. Und China-Aktien würden wohl haussieren. Schon in der Administration von Barack Obama unter Vizepräsident Biden durfte die Volksrepublik ungestört Billig-Güter in die USA exportieren, worunter unter anderem die amerikanische Stahl- und die Textilindustrie litten. Im Gegenzug durfte Sohnemann Hunter Biden mit Unterstützung der Bank of China chinesische Aktien über das Investment-Vehikel „Bohai Harvest RST (Shanghai) Equity Investment Fund Management“ an die Börse bringen – eine veritable Lizenz zum Gelddrucken.

Vier Optionen für die Börse

1) Bei einem klaren Wahlsieg von Biden mit einem Durchmarsch der Dems im Kongress dürfte die Börse in eine lang anhaltende Baisse einmünden.
2) Ein verschärfter Crash dürfte anstehen, falls Biden wenige Wochen nach einem Wahlerfolg wegen völlig unerwarteter gesundheitlicher Probleme zur Seite geschoben wird und ein Vize aus dem linksradikalen Flügel das Präsidentenamt übernimmt. Die Folge eines solchen Putsches wäre eine rote Welle für die Börsenkurse – dann bricht in Amerika der Bürgerkrieg aus. Übrigens hat gerade die selbsterklärte Sozialistin und demokratische Abgeordnete Alexandra Ocasio-Cortez gefordert, künftig auch Steuern auf Buchgewinne einzusammeln, also nicht auf realisierte Gewinne – ein solches Gesetz wäre ein Stopper für jedes Investment!
3) Bleibt die Lage wegen Unstimmigkeiten in der Briefwahl lange angespannt und ist es über Wochen unklar, wer gewinnt, dann kochen wohl neue Unruhen hoch. Somit wird es ungemütlich an der Börse. In diesem Fall wäre ein Investment im VIX die beste Option.
4) Bei einem eindeutigen Sieg von Trump dürfte dagegen eine neue, kräftige Hausse anstehen – vor allem wenn der Sieg von einem Triumph der Republikaner im Kongress begleitet wird.
Die Bernstein-Bank behält die Angelegenheit für Sie im Auge und wünscht erfolgreiche Trades und Investments!


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