Die Gründe für das BTC-Debakel

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27.11.2020 –Special Report. Oops, I did it again – genau wie 2017 rauscht Bitcoin zunächst davon, um dann abzustürzen. Damit hat sich möglicherweise ein extrem bearishes Doppeltop gebildet. Warten wir es ab. Doch was war hier los? Tatsächlich steckte China dahinter. Aber auch die US-Notenbank wetzt offenbar die Messer. Wir beleuchten die Hintergründe – und warnen erneut davor, dass die Herren des Geldes früher oder später E-Devisen eliminieren werden.

Blutige Nase für BTC-Bullen

So kann’s gehen: Erst konnte Bitcoin vor Kraft kaum laufen – und setzte mit einer fulminanten Aufholjagd seit den Corona-Tiefs zum Gipfelsturm an. Am Mittwoch kostete ein Bitcoin noch gut 19.500 Dollar – und damit so viel wie seit drei Jahren nicht mehr. Und dann das herbe Minus. Doch warum?

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Der Fomo-Effekt

Schauen wir uns zunächst eine Erklärung aus den Massenmedien an – wir lassen den „Tagesspiegel“ aus dem „Reichshauptslum“ zu Wort kommen, wie der Satiriker Don Alphonso das Raumschiff Berlin nennt. Mit dem Rücksetzer wiederhole sich ein bekanntes Muster – denn es sei längst nicht das erste Mal, dass der Kurs rapide ansteige und dann einbreche. „Das heißt: Bei Kryptowährungen bildet sich regelmäßig eine Finanzblase, sie platzt, dann bildet sich eine neue Blase.“ Und dann zitiert das Blatt Brian Kelly, Gründer und CEO von BKCM LLC, eine auf E-Devisen spezialisierte Investmentfirma. „Viele Anleger würden von der Angst getrieben, sie könnten etwas verpassen. Sie nennen das den Fomo-Effekt, was die Abkürzung für die englische Bezeichnung („the fear of missing out“) ist.“ Alles Psychologie also – hm…

Family Offices und Paypal

Getrieben hätten den Kurs für Kryptowährungen dabei zuletzt vor allem zwei Entwicklungen: Zum einen stiegen zunehmend auch professionelle Investoren in den Markt ein. So kauften zuletzt aufgrund der niedrigen Zinsen auch Pensionsfonds und Family Offices, die das Geld vermögender Familien anlegen. Zum anderen schob laut „Tagesspiegel“ der US-Zahlungsdienstleister Paypal den Handel mit Kryptowährungen an, da in den USA Kunden seit Kurzem über ihr Paypal-Konto Bitcoin, Bitcoin Cash, Ether und Litecoin kaufen und verkaufen können. Das sehen wir genauso.

Höhere Margin-Kosten

Doch das erklärt nicht den kurzfristigen Ausverkauf. Die psychologische Blasen-Erklärung ist uns zu dürftig. Und siehe da: Wir haben ein wenig in den spezialisierten und daher kompetenten Finanzmedien gewühlt. CoinTelegraph.com ließ ebenfalls Kelly zu Wort kommen. Der verwies auf den jüngsten starken Anstieg in der Nachfrage im Cryptocurrency-Markt – die habe das Angebot komplett ausgetrocknet. Soll wohl heißen: Käufer hätten sich dann enttäuscht zurückgezogen. Weiter hätten sich die Kosten für die Leihe erhöht und am Ende hielten die Kleinanleger die heiße Kartoffel: “The last one is that we are starting to see retail come into this market and you’re starting to see the interest rates that it charges on margin going much higher.”

Kassemachen am Top

Offenbar haben große Adressen auch am Top Kasse gemacht. William Suberg von CoinTelegraph wies darauf hin, dass Investoren knapp unter 20.000 Dollar hohe Volumina an BTC auf den diversen Börsen abgestoßen hätten. “All Exchanges Inflow Mean increased a few hours ago. It indicates that whales, relatively speaking, deposited $BTC to exchanges,” assistierte Ki Young Ju von der Analyse-Firma CryptoQuant auf Twitter. Er glaubt übrigens daran, dass BTC in den nächsten Tagen die 20K knackt.

Heftige Abflüsse aus China über OKEX

Und dann verwies Ki Young Ju genau auf den Faktor, vor dem wir an dieser Stelle jüngst gewarnt hatten: China steckte hinter dem Absturz. Sie erinnern sich: Im Oktober hatte die People’s Bank of China (PBOC) die private Ausgabe von digitalen Währungen verboten. Und dabei die in Malta registrierte Börse OKEX mal kurzerhand geschlossen. Ki Young Ju wies darauf hin, dass OKEX nun wieder Abhebungen zuließ. Mit heftigen Folgen: “BTC flows from OKEx to all other exchanges hit 493 BTC at that time,” meldete er auf Twitter. Und weiter: “83% of total outflows went to non-exchange wallets like custody.“ BTC verschwanden also vom Markt in privaten Taschen. Das sieht also ganz danach aus, dass verängstigte Anleger im Reich der Mitte schnell Kasse machten, bevor die Kommunisten wieder den Handel einfrieren.

Gerüchte über US-Regulierung

Dazu gesellten sich ähnliche Gerüchte aus Amerika, wie Brian Armstrong, CEO von Coinbase, meldete. Demnach planen die USA eine Regulierung für sogenannte „self-hosted cryptocurrency wallets“, das sind Software-Programme, die quasi als kleine Banken dienen. Armstrong kommentierte: “If this crypto regulation comes out, it would be a terrible legacy and have long standing negative impacts for the U.S. In the early days of the internet there were people who called for it to be regulated like the phone companies. Thank goodness they didn’t.”

Thanksgiving trocknet die Nachfrage aus

Bleibt abschließend anzumerken, dass der Handel in den USA vor Thanksgiving schon weitgehend ruhte und dass daher diese Nachfrage ausfiel – viele Amerikaner machen sich traditionell vorab auf den Weg zu ihren Familien.
Unser Fazit: Die Vola bei den Cryptos dürfte uns erhalten bleiben – Sie müssen achtsam sein. Wir haben immer wieder darauf hingewiesen, dass die Notenbanken der Welt eine unkontrollierbare Nebenwährung nicht akzeptieren werden. Behalten Sie also News dieser Art im Auge. Die Bernstein-Bank wünscht erfolgreiche Trades und Investments!


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