
24.08.2020 –Special Report. Nach dem virtuellen Konvent der Demokraten antworten in dieser Woche die Republikaner. Und dann dürfte es kräftig abgehen an der Börse. Denn traditionell interessieren sich die Menschen in Amerika erst etwa ab dem Labor Day für die Präsidentschaftswahl, also ab Anfang September. Fest steht: Die Volatilität dürfte steigen. Ein Update vor der Wahl für die richtige Positionierung an der Börse.
Neue Steuern drohen
Die Ausgangslage: Die Democrats stehen für neue Steuern und einen grünen Umbau der Wirtschaft. Je näher die Wahl rückt, desto heftiger dürfte dies ins Bewusstsein der Börse sinken. Vorige Woche warnte der stets lesenswerte Analyst Michael Every von der Rabobank vor dem Polit-Effekt an der Börse: „Up until now there has been talk of 3 November but not so much market focus on it. Expect that to change.“ Every vermutet bei einem demokratischen Wahlsieg eher eine fiskale Kontraktion als eine Expansion – also höhere Steuern für Besserverdiener – „something that will matter to the USD and the global economy hugely“. Und weiter: „the Biden campaign stressed it does still have expansive fiscal plans, to be balanced with top-end tax increases.“ Steuererhöhungen also. Gift für den Großteil der Unternehmen.
Kamala the Communist
Und wie wir schon vor Wochen prophezeit hatten, setzten die Dems eine Extremistin als Kandidatin für den Posten der Vizepräsidentin ein. Laut der Website GovTrack.us hat niemand im Senat so weit links gestimmt wie Kamala Harris. Sie war sogar noch radikaler als der selbsterklärte „demokratische Sozialist“ Bernie Sanders. Unter anderem setzt sich Harris für einen Green New Deal ein, der den fossilen US-Energiesektor vernichten würde. Die Lobbygruppe American Action Forum vermutet, der Plan könne rund 94 Billionen Dollar über zehn Jahre kosten. Harris will eine fast monopolistische staatliche Krankenkasse, die natürlich auch alle illegalen Migranten versorgt. Ein neues System staatlicher Banken, die Bezahlung von Studiengebühren durch den Staat sowie eine staatliche Jobgarantie.
Biden lässt die Blase platzen
Angesichts dieser roten Träume warnte auch die Hedge-Fonds-Legende Michael Novogratz jüngst, die Rally an der Börse könne beendet sein, falls Joe Biden gewinne. Eine interessante Wortmeldung, denn der Investor, der zuletzt auf Cryptos setzte, gilt als Fan der Demokraten. Im Gespräch mit Bloomberg TV sagte er, „Electing Biden and Harris, as much as it’s gonna be great for the country, is not going to be great for the market.“ Der Gründer von Galaxy Investment Partners urteilte, der Markt stecke in einem von der Liquidität getriebenen Kaufrausch. Die Blase könne bald platzen. Unter den Demokraten dürfe die Wall Street jedoch höhere Körperschaftssteuern für Unternehmen und höhere Vermögenssteuern für die Reichen erwarten.
Billiges Geld von der Fed
Aktuell werde die Federal Reserve dem Bull Run jedoch nicht im Wege stehen. Ganz im Gegenteil: Die Fed arbeite an einer digitalen Währung, um bei neuen Stimuli die Geschäftsbanken zu umgehen. Damit wolle sie ein „inflationäres Inferno“ entzünden. Den Goldpreis sieht Novogratz bei bis zu 3.000 Dollar je Unze, auch neue Allzeithochs für die Cryptos seien möglich. Interessanterweise hält Novogratz Biden und Harris als „good overall for financial firms“. Denn vermutlich würden die Zinsen steigen. Umgekehrt würde dies den zinssensiblen Tech-Aktien einen heftigen Schlag versetzen.
Bond-King sieht Trump-Sieg
Tatsächlich führt Joe Biden in allen Meinungsumfragen seit Wochen, was für Short-Investments spricht. Doch Bond-King Jeff Gundlach ging jüngst eine konträre Position zur veröffentlichten Meinung ein. Der Star-Investor, der schon den Wahlausgang 2016 korrekt vorher gesagt hatte, geht von einer Wiederwahl Trumps aus. Die kommenden Monate bis zur Wahl würden interessant werden. Er prophezeite ein einem toxischen politischen Markt erhebliche Volatilität. Bis zum Jahresende werde der Markt crashen: „we will see the March lows again this year.“ Aber: „two-thirds of conservatives or moderate conservatives say that they have lied about their support for Donald Trump either directly or by omission.“ Oops.
Dubiose Umfragen
Vielleicht sollten die Bären, die an einen Biden-Sieg glauben, die Umfragen genauer anschauen. Einige sind seltsam. Ein Beispiel: In der Studie von YouGov/Economist aus der vorigen Woche führt der Herausforderer landesweit mit 10 Prozentpunkten. Befragt wurden 1.500 Menschen, davon 1.245 registrierte Wähler. Seltsamerweise gab es angeblich 572 Independents – bei einer solchen Repräsentation wäre diese Partei/Gruppierung längst an der Regierung. Noch wichtiger: 553 Demokraten wurden befragt und nur 374 Republikaner – ein demokratischer Überhang von 47 Prozent. Dass dabei eine demokratische Mehrheit herauskommt, verwundert nicht.
Ein Problem mit Law and Order
Der Game Changer könnte ansonsten das Thema Gewalt werden. Seit Wochen rollen Unruhen über die USA. Dies fast ausschließlich in Städten, die seit Urzeiten von linken Bürgermeistern regiert werden – Chicago, Portland, New York oder Seattle. Die Dems haben die Ausschreitungen mit keinem Wort verurteilt; im Gegenteil: schuld ist immer die Polizei; häufig kommen die Randalierer durch mitfühlende Richter schnell wieder frei. Und es gibt zwei besonders schreckliche gewaltsame Tode, die hierzulande kaum thematisiert werden, da sie nicht in das Märchen von einer rassistischen Polizei passen: Die der kleinen Jungen Cannon Hinnant und Legend Tallifero. Gehen Sie davon aus, dass in den USA die Wut auf Kriminellen-Versteher gerade bei Eltern kocht – egal ob weiß, schwarz, asiatisch oder latino.
Während den Dems die Erosion von Law and Order offenbar am Allerwertesten vorbei geht und viele Demokraten öffentlich „defund the police“ gefordert haben, sehen das die Bürger anders. AmericanThinker.com meldete zum einen, dass italienische, irische und albanische Bürgerwehren in der Bronx die linksradikale Antifa handfest abwehrten. Und wies auf eine erstaunliche Statistik hin: In der ersten Hälfte 2020 zogen die Waffenverkäufe um 95 Prozent gegenüber dem Vorjahr an. Dumm, dass die Dems den Waffenbesitz einschränken wollen. Die Republikaner sind seit jeher die Partei der bewaffneten Selbstverteidigung – und Unterstützer der Polizei: Back the Blue.
Unser Fazit: Die Wahl ist noch lange nicht gelaufen. Da jedoch die veröffentlichte Meinung mit dem üblichen kranken Trump-Hass der Medien die Börse verunsichern könnte, lohnen sich vielleicht konträre Position. Die Bernstein-Bank behält das Thema für Sie im Auge.
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