Trading map dots

20.01.2020 – Daily Report. Wir könnten diesen Marktbericht allmählich mit Copy and Paste schreiben: Die Wall Street verbucht neue Rekorde, der DAX zögert. Und der MDAX hat wieder ein neues Allzeithoch erreicht. Doch inzwischen sieht die Wall Street zunehmend überkauft aus – wann wird die Dauer-Hausse enden? Heute sicher nicht, denn die US-Börse bleibt geschlossen.

Drohendes Doppel-Top

Der DAX machte am Montagvormittag keine Anstalten, den Vorgaben aus den USA zu folgen: Der deutsche Leitindex verlor zuletzt 0,2 Prozent auf 13.505 Zähler. Am Freitag hatte es der Kursindikator bis auf 13.558 Zähler geschafft. Damit lauerte der DAX nur noch 41 Punkte unterhalb seines Rekordhochs von Anfang 2018 bei 13.597 Stellen. Nun sollten die Bullen besser bald in die Gänge kommen, sonst droht ein Doppel-Hoch. Die Chartanalyse lehrt, dass dies ein klassisches Verkaufssignal ist.

Derweil legte der MDAX zum Handelsauftakt ein neues Rekordhoch vor, er zog an bis auf 28.815 Stellen. Zuletzt bröckelte aber auch er und gab 0,1 Prozent nach auf 28.738 Zähler.

Asien überwiegend fest

Angesichts der Hoffnung auf ein Anziehen der Weltkonjunktur legten die asiatischen Börsen am Montag zu. Der chinesische CSI-300 kletterte um 0,8 Prozent auf 4.185 Zähler. Und der Nikkei schloss 0,2 Prozent höher bei 24.084 Zählern. Dagegen rutschte der Hang Seng wegen neuer Proteste in Hongkong um 0,9 Prozent ab auf 28.796 Punkte.

Rekorde, Rekorde, Rekorde

Die Wall Street hatte am Freitag ihre Serienproduktion von Allzeithochs fortgesetzt. Dow Jones Industrial, S&P 500 und Hightech-Indizes erreichten neue Höchststände. Zur Schlussglocke notierte der Dow 0,2 Prozent fester bei 29.348 Stellen. Im Handelsverlauf hatte er das Intraday-Hoch auf 29.374 Punkte geschoben. Der S&P 500 zog zum Schluss um 0,4 Prozent an auf rund 3.330 Punkte. Der Nasdaq 100 gewann 0,5 Prozent auf 9.172 Zähler.

In den USA wird die Luft dünner

Die großen US-Indizes haben sich inzwischen ein gutes Stück von der Normalität entfernt, gemessen an den gleitenden Durchschnitten. Nehmen wir als Beispiel den Dow: Die 50-Tage-Linie verläuft bei 28.240 Zählern, die 200-Tage-Linie sogar bei 26.909 Stellen. Das letzte Mal, dass der Leitindex beide Linien berührt hatte, war Anfang Oktober. Der 14-tägige Relative Strength Index (RSI 14) hat bei 72,62 Zählern überverkauftes Terrain erreicht. Die Hightech-Indizes notieren übrigens schon seit einigen Handelstagen in überverkauftem RSI-Gelände.

All das bedeutet: Ein Rücksetzer ist überfällig. Nur wann? Wahrscheinlich dann, wenn unerwartete Ereignisse den Bullen Gründe zum Kassemachen liefern – etwa neue Tricksereien Chinas in Sachen Zollstreit oder ein sich anbahnender Verrat von Republikanern im Senat beim Impeachment. Behalten Sie also unbedingt die regelmäßigen Markt-Updates im Blick.

Gut möglich ist auch, dass das Knacken der 30.000er-Marke im Dow für einen finalen Kaufrausch sorgt, bevor der Kater einsetzt. Solch eine große Hausnummer überzeugt stets auch die letzten Ängstlichen, während die Profis beim Auftauchen der Amateure diskret das Parkett verlassen. Passend dazu wäre nach der Lehre der Behavioral Science eine Schlagzeile in der „Bild“, etwa nach diesem frei erfundenen Muster: „Dow 30.000 – so werden Sie reich mit US-Aktien!“.

Bank of America warnt vor der Blase

Chief Investment Strategist Michael Hartnett von der Bank of America meldete sich gerade mit einem ähnlichen Tenor zu Wort. In seiner wöchentlichen „Flow Show“ konstatierte er: „Q1’2020 = Q1’2000″. Es gebe überall Euphorie. Die klarste Parallele zur Zeit vor dem Platzen der Dotcom-Blase sei das Auftauchen der „Trillion Dollar Babies“, also von Aktien, die über 1 Billion Dollar wert sind. Dies sei das direkte Ergebnis von „$12 trillion of QE since Lehman“. Dazu gesellten sich „$1 trillion in stock buybacks past 5 years by top 20 US companies (amounting to $381,000 per employee“. Nun notiere der S&P 500 „just 5% away from becoming largest bull market of all time (3498) even as the Fed is now stuck and can never again allow stocks to drop as US financial assets (i.e., Wall Street) is a record 5.5x size of GDP (Main St). In short, the entire market is now „too big to fail.“

Derivate-Hausse bei Bitcoin

Bleibt ein Blick auf eine andere Rallye: Bitcoin hatte am Freitag erstmals seit November wieder die Marke von 9.000 Dollar geknackt, setzte zuletzt aber wieder um 0,7 Prozent zurück auf 8.646 Dollar. ZeroHedge konstatierte, dies sei prozentual der beste jemals registrierte Jahresstart überhaupt für die wichtigste Krypto-Währung gewesen. Das Blog „CoinTelegraph“ attestierte, der Derivate-Handel dürfte in diesem Monat neue Rekorde erreichen, das Open-Interest-Volumen ziehe stark an. Kein Wunder, die CME Group – das ist die größte Terminbörse der Welt in Chicago – hatte vor kurzem Optionen auf BTC lanciert und war damit dem Konkurrenten FTX gefolgt. Alles in allem hofft der Markt auf eine anhaltende Anerkennung der Kryptos durch institutionelle Investoren und damit quasi auf den Ritterschlag in der Finanzwelt. Warten wir es ab.

Das bringt der Tag

Der Terminkalender ist heute recht spärlich gefüllt. Den Überblick finden Sie hier: Market Mover

Um 12.00 Uhr steht der Januar-Monatsbericht der Bundesbank an.

Und um 14.00 Uhr gibt der Internationale Währungsfonds seinen Ausblick ab.

Die Wall Street bleibt wegen des Martin-Luther-King-Day geschlossen.

Die Bernstein-Bank wünscht erfolgreiche Trades und einen guten Wochenstart!


Wichtige Hinweise:

Der Inhalt dieser Publikation dient ausschließlich allgemeinen Informationszwecken. Es handelt sich in diesem Kontext weder um eine individuelle Anlageempfehlung oder -beratung, noch um ein Angebot zum Erwerb oder der Veräußerung von Wertpapieren oder anderen Finanzprodukten. Der betreffende Inhalt sowie sämtliche enthaltenen Informationen ersetzen in keiner Weise eine individuelle anleger- bzw. anlagegerechte Beratung. Jegliche Darstellungen oder Angaben zu gegenwertigen oder vergangenen Wertentwicklungen der betreffenden Basiswerte erlauben keine verlässliche Prognose oder Indikation für die Zukunft. Sämtliche aufgeführte Informationen und Daten dieser Publikation basieren auf zuverlässigen Quellen. Die Bernstein Bank übernimmt jedoch keine Gewähr bezüglich der Aktualität, Korrektheit und Vollständigkeit der in dieser Veröffentlichung aufgeführten Informationen und Daten. An den Finanzmärkten gehandelte Wertpapiere unterliegen Kursschwankungen. Ein Contract for Difference (CFD) stellt darüber hinaus ein Finanzinstrument mit Hebelwirkung dar. Der CFD-Handel beinhaltet vor diesem Hintergrund ein hohes Risiko bis zum Totalverlust und ist damit unter Umständen nicht für jeden Anleger geeignet. Stellen Sie deshalb sicher, dass Sie alle korrelierenden Risiken vollständig verstanden haben. Lassen Sie sich gegebenenfalls von unabhängiger Seite beraten.

CFD sind komplexe Instrumente und gehen wegen der Hebelwirkung mit dem hohen Risiko einher, schnell Geld zu verlieren. 78% der Kleinanlegerkonten verlieren Geld beim CFD-Handel mit diesem Anbieter. Sie sollten überlegen, ob Sie verstehen, wie CFD funktionieren, und ob Sie es sich leisten können, das hohe Risiko einzugehen, Ihr Geld zu verlieren.