Endspiel für die Lira

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10.01.2022 – Die Lira-Short-Rakete dürfte in Kürze ihre letzte Stufe zünden. Ein Blog sieht einen Absturz von USD/TRY auf über 100. Denn der Notenbank gehen die Devisen für Interventionen aus.

ZeroHedge kommentierte jüngst: „The only question is when will Turkey’s FX swaps stop working – that’s when the lira will reprice from 13 to 100+ in a millisecond.“ Laut dem Finanzblog stehen die türkischen Brutto-Devisen-Reserven zwar bei 110,9 Milliarden Dollar. Allerdings belaufen sich die Netto-Rerserven – also der Bestand minus Verbindlichkeiten – nur noch auf 8,6 Milliarden Dollar. Damit habe Ankara nur noch zwei bis drei Wochen, bevor es die Kontrolle über die Lira verliere.

Mega-Inflation und Niedrigzins

Ein Grund für eine Kehrtwende ist nicht zu finden. Im Dezember sprang die Inflationsrate im Jahresvergleich auf 36,08 Prozent – der höchste Stand seit rund zwei Jahrzehnten. Selbst die pessimistischsten Analysten hatten nur mit 27 Prozent gerechnet. Die Erzeugerpreise legten im Dezember sogar um 79,89 Prozent zu. Egal –die türkische Zentralbank senkte unter Druck des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan den Leitzins. Der liegt jetzt bei 14 Prozent, da flohen Investoren aus der Devise. Die USD/TRY rauschte runter bis auf rund 18.

Der Staat übernimmt Währungsverluste

Ergo griff Ankara kurz vor Weihnachten ein, indem Depositkonten mit ausländischen Devisen als Kompensation für Lira-Verluste angeboten wurden. Die Regierung sicherte Unternehmen also die Übernahme von Wechselkurs-Risiken zu. Was den Staatshaushalt enorm belasten dürfte. Ziel erreicht: Die Lira zischte auf 10,6 Dollar nach oben. Eine schmerzhafte Short Squeeze also.

Voodoo-Geldpolitik

Goldman Sachs kommentierte, die Deposit-Garantie adressiere nicht die eigentlichen fundamentalen Gründe für den  Absturz der Währung. Wir ergänzen: Der Grund ist Erdoganomics – der Voodoo-Glaube, dass niedrige Zinsen eine Währung stützen. Zudem ein aufgeblähter Staatshaushalt, der über die Druckerpresse beispielsweise militärische Eskapaden finanziert. Weiter die Corona-Delle im Devisenbringer Tourismus.

Linke Tasche, rechte Tasche

Zum Jahresende 2021 sorgte die türkische Notenbank dann wieder für Verwirrung: Angeblich verbuchte sie einen Tagesgewinn von 10 Milliarden Dollar. Laut Bloomberg hatte die Institution am 30. Dezember noch einen Verlust von rund 70 Milliarden Lira – also rund 5,2 Milliarden Dollar – mitgeteilt. Einen Tag später stand die Bilanz bei 60 Milliarden im Plus. Eine Erklärung für den Taschenspieler-Trick gab es nicht. Entdeckt hatten die Aktion zwei Politiker der Opposition, Ibrahim Turhan und Kerim Rota. Sie gehen davon aus, dass die Notenbank einfach Dollar an das Finanzministerium verkauft hat. Wir vermuten, dass auch eine Geldspritze aus China oder Russland hinter der unerwarteten Wendung stecken könnte.

Du sollst keine Lira verkaufen

Wie auch immer: Vertrauen schafft das nicht. Inzwischen sind wir aber wieder bei rund 14 angelangt. Nun kündigten die türkischen Behörden nun an, sie wollten ein Register führen über alle, die große Mengen an ausländischen Devisen kaufen. Sprich: türkische Lira verkaufen. Laut Bloomberg hat die Notenbank kommerzielle Banken angewiesen, alle größeren Transaktionen zu melden.

Unser Fazit: Leider spricht vieles dafür, dass die Türk-Lira zum wertlosen Monopoly wird. Doch vielleicht ist dieser skeptische Ausblick nur der typische Kontra-Indikator für den Turnaround. Wer also glaubt, dass Erdogan seinen Kurs ändert und dass die Lira jetzt zulegt, der sollte jetzt einsteigen. Die Bernstein-Bank wünscht viel Erfolg!

 

 


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