World Trade

25.08.2020 –Special Report. Eine der spannendsten Storys am Finanzmarkt lief zuletzt bei Gold: Das gelbe Metall markierte erst neue Rekorde, um dann kräftig zu korrigieren. Wir vermuten, dass die ewige Schlacht zwischen Bullen und Bären noch lange nicht zu Ende ist. De facto sind die Argumente für einen neuen Bull-Run erdrückend. Vielleicht stimmt das Verdikt: There Is No Alternative.

Wir hatten den Rücksetzer kommen sehen

So leid es uns tut, wir müssen uns einmal mehr auf die Schulter klopfen: Es war klar, dass Gold nicht ohne Widerstand der Shorties ungebremst nach oben zischen würde. Deswegen hatten wir vor kurzem für unseren Special Report vor dem neuen Allzeithoch den vorsichtigen Titel gewählt „Neue Sonne oder Supernova“. Noch ist nicht klar, ob der ewige Star am Investmenthimmel nicht doch verglüht.

There Is No Alternative

Aber das Pendel schwingt derzeit kräftig im Long-Territorium. Vermutlich wird das Metall angesichts der gigantischen Veränderungen unser Welt Gold zu einem Produkt, an dem niemand vorbei kommt. Gold goes TINA – There Is No Alternative. So zumindest urteilte das Finanzblog ZeroHedge jüngst unter Berufung auf einen Artikel des Blogs Peak Prosperity. Tatsächlich sprechen zu viele Fundamentaldaten dagegen, dass es zu einem bearishen Doppeltop kommt. Erst wenn plötzlich überall neuer Optimismus einzieht wegen der Weltwirtschaft, könnte Gold wieder massiv zurücksetzen, so wie es schon 2011 der Fall war. Doch glauben Sie daran?

Pause im Goldrausch

Das stets lesenswerte Blog ValueWalk nannte vorige Woche einige Argumente dafür, warum der Goldrausch noch nicht vorbei ist – aktuell gebe es nur eine Pause. Es zitierte Will Cai von Wilshire Phoenix Funds: Gold werde immer wichtiger in Sachen Diversifizierung und biete einen Hedge gegen Inflation und Volatilität. Nachdem Warren Buffet bei Barrick Gold eingestiegen sei, habe sich der Preis stabilisiert.

1929 revisited

Ed Yardeni, Chief Investment Strategist bei Yardeni Research, konstatierte jüngst Ähnlichkeiten zwischen den 1920ern und aktuell. So verglich er die Spanische Grippe von 1918 mit Covid-19. Tatsächlich zog der Aktienmarkt in den Roaring Twenties kräftig an. Die Amerikaner warfen alle ihre Ersparnisse in Aktien und konsumierten auf Pump. Mit dem Börsencrash von 1929 setzte ein kleiner Goldrausch ein – der Preis stieg zwischen 1929 und 1934 vor rund 21 Dollar auf 35 Dollar je Unze. Bis Franklin D. Roosevelt 1934 den privaten Goldbesitz verbot, was erst 1974 revidiert wurde. Laut Yardeni steht uns der große Absturz erst noch bevor; ohne dies zu begründen, nannte er als Crash-Datum 2029 (wir vermuten, dass dieses Datum so schön zu 1929 passt). Bis dahin hätte Gold also Zeit für einen Bull-Run.

Mehr Geldentwertung

Jeffrey Currie, Head of Commodities bei Goldman Sachs, sieht die Sache ähnlich. Selbst wenn es etwa in diesem November einen Impfstoff gegen Covid-19 geben sollte, dürfte der erst im ersten Quartal 2021 auf breiter Basis zur Verfügung stehen. Was bedeute, dass die Wirtschaft mehr Stimuli brauche und die Federal Reserve mehr Geld drucken werde – was ein Abwärtsrisiko für die Realzinsen bedeute. Und dies werde den Goldrausch wieder anfeuern.

Helikopter-Geld vernichtet Realzinsen

Ins gleiche Horn stieß jüngst Mark Cudmore, früherer Forex-Trader bei Lehman Brothers und aktuell Makro-Stratege bei Bloomberg Markets Live. Er urteilte: „Real Yields Will Be Negative Until The Financial System Collapses.“ Und weiter: „The Gold and Bitcoin Bull Run Is Just Beginning“. Denn in diesem Jahr habe sich etwas verändert: So sei heimlich, still und leise die Modern Monetary Theory installiert worden. Wir erklären: Helikopter-Geld vom Staat für alle, um die Wirtschaft und die Inflation anzukurbeln.

Die Schulden werden weginflationiert

Die USA hätten in den kommenden Dekaden drei Möglichkeiten, die Staatsschulden loszuwerden: 1. Den Default erklären. 2. Die Schulden weginflationieren. 3. Austeritätspolitik, um die Verschuldung langsam zu senken.

Option 1 sei politisch undenkbar. Möglich sei 3, dies lasse sich aber politisch nicht über mehrere Jahre durchalten. Wir meine: Eine anhaltende Sparpolitik wird jeden Politiker aus dem Amt fegen. Damit bleibe nur Möglichkeit 2. Die Konsequenz: Die Realzinsen blieben negativ, bis der Markt komplett umgebaut werde oder kollabiere. Die Entwertung des Papiergeldes werde unmerklich über einen langen Zeitraum ablaufen, auch werde es disinflationäre Rücksetzer und Krisen geben. Auf welche die Notenbanken jedoch immer mit dem Druck neuen Geldes reagieren würden.

Unser Fazit: Diese Argumente klingen alle recht überzeugend. Doch wie gesagt: Vorsicht – eine schneller als erwartete Erholung der Weltwirtschaft könnte überall die Kasse des Fiskus sprudeln lassen. Und vielleicht, vielleicht wird das Geld dann doch massiv zur Schuldentilgung eingesetzt und die Zinsen steigen wieder. Was bearish für Gold wäre. Die Bernstein-Bank behält das Thema für Sie im Blick und wünscht erfolgreiche Trades und Investments.


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