Goldene Sonne oder Supernova

Gold

27.07.2020 –Special Report. Stellare Performance bei Gold – das gelbe Metall beschäftigt Trader und Investoren mehr denn je. Wird Gold der neue, ewige Fixstern am inflationären Investment-Firmament? Oder wird das Edelmetall nur eine Supernova, die bald implodiert? Fakt ist: Gold steht in Dollar gemessen am Allzeithoch. Die Frage ist, ob sich charttechnisch nun eine Tasse mit Henkel ausbildet – was eine super-bullishe Formation wäre. Oder aber, ob der Ansturm in einem kläglichen Doppeltop endet. Was die Bären freuen würde. Wir beleuchten die Hintergründe.

Gigantische Tasse – noch ohne Henkel

Freunde der Chartanalyse verweisen auf eine gigantische Tassenformation, die sich seit dem Jahr 2011 schulbuchmäßig ausgebildet hat. Wenn das Chartbild vollendet werden soll, dann steht laut Chartisten nun erstmal eine Seitwärts-/Abwärtsbewegung an, die den Henkel der Tasse ausbildet. Und dann sollte der Preis für Gold steil in Richtung Norden zischen. Das Seitwärts-Zögern ergibt sich deshalb, weil viele Anleger nicht gerne am Hoch kaufen und auf einen günstigeren Einstieg warten.
Mike Shedlock urteilte auf dem Blog MishTalk, der letzte Widerstand bleibe das Intraday-Hoch von Gold bei 1.923 Dollar aus dem Jahr 2011. Das gelbe Metall habe nun eine schöne Tasse ausgebildet, wenn auch noch ohne Henkel.

gold

Kurz und knapp urteilte Shedlock, Gold performe immer dann schlecht, wenn das Vertrauen in die Zentralbanken hoch sei. Doch sei dem Platzen der DotCom-Bubble habe es nun drei größere Blasen gegeben. Nichts habe sich geändert: Die Fed stütze derzeit nur den Finanzmarkt, schaffe aber keine Jobs und könne auch nicht Covid-19 heilen. Kurz: Die Fed pumpe eine Blase auf. Und Shedlock sieht kein Ende dieser Politik.

Great Debasement des Papiergeldes

Michael Hartnett, Chief Investment Officer der Bank of America, warnte vor dem „Great Debasement“, also der großen Entwertung. Gemeint ist der Dollar, sprich, das Papiergeld. Wegen der „Great Repression“ vollziehe die Federal Reserve gerade ein „Great Debasement“. Der Bond-Markt sei von der Fed nationalisiert worden und sende daher keine sinnvollen inflationären oder deflationären Signale mehr aus.
Konkret: Investoren könnten sich nicht mehr mit short bonds gegen die Inflationsrisiken absichern, die durch den 11-Billionen-Dollar-Stimulus geschaffen wurden. Ergo bleibe nur „short Dollar“ und „long Gold“. Soll heißen: Da die Fed den Greenback durch frisch gedrucktes Geld entwerte, bleibt nur der Verkauf des Greenback oder die Kaufposition in Gold.

Das Ende des Fiat Money

Und gerade outete sich auch Jim Read, Analyst bei der Deutschen Bank, als Gold-Bug. Der Experte urteilte, „fiat money will be a passing fad in the long-term history of money.“ Das ist drastisch. Der Begriff Fiatgeld stammt aus dem lateinischen Wort fiat und heißt „Es geschehe! Es werde!“, so wie in „fiat lux“ – es werde Licht. Fiat money ist demnach ein Objekt ohne inneren Wert. Und weiter urteilte Reid: „Gold is definitely a fiat money hedge.“ Gold ist demnach also eine Absicherung für Papiergeld, das vor seinem historischen Ende steht.

Preisziel 2.000 und 5.000 Dollar

Die Citibank urteilte jüngst, Gold profitiere von der gelockerten Geldpolitik, niedrigen Realzinsen und dem Zustrom an Geldern in Indexfonds auf Rekordniveau. Die Chance, dass Gold in den nächsten drei bis fünf Monaten über 2.000 Dollar steige, liege bei 30 Prozent.
Es geht noch besser: Diego Parrilla, der im spanischen Investmentfonds Quadriga Igneo 450 Millionen Dollar verwaltet, sagte Bloomberg, der Goldpreis könne auf bis zu 5.000 Dollar je Unze anziehen. Dies in den kommenden drei bis fünf Monaten. Denn in der kommenden Dekade würden Regierungen alles und jeden mit der Druckerpresse retten, um einen Kollaps des Systems zu verhindern.

Notenbanken und Retail-Trader kaufen

Tatsächlich setzen die Herren des Geldes selbst auf Gold. Laut Zahlen der Lobbygruppe World Gold Council kaufen die Notenbanken der Welt weiter stetig und moderat ein. So legen sie sich im Mai 39,8 Tonnen Gold in die Tresore, das ist etwas mehr als der viermonatige Durchschnitt von 35 Tonnen. Wenn auch 31 Prozent weniger als im extrem kauffreudigen Vorjahresmonat. Insgesamt waren es damit in diesem Jahr schon plus 181 Tonnen.
Offenbar finden nicht nur die Profis Gefallen an Gold: Wie das brillante Blog „ZeroHedge“ berichtete, fluten derzeit junge Amateur-Trader über die Plattform „Robinhood“ auf der Käuferseite den Goldmarkt.

Gold-Fan für die Fed

Und vielleicht hat aktuelle Goldrausch auch etwas mit der wahrscheinlich bevorstehenden Benennung eines Gold-Bugs als Gouverneur der Federal Reserve zu tun. Judy Shelton wird wahrscheinlich künftig genau diese Linie in der Fed vertreten.
Michael Msika, volkswirtschaftlicher Kommentator bei Bloomberg, wies noch auf einen anderen interessanten Fakt hin: Seit März steige der Goldpreis. Während das gelbe Metall am Allzeithoch anklopfe, seien die Minen-Aktien noch weit entfernt von ihrem Hoch aus dem Jahr 2011. Entsprechend gebe es Potenzial für eine Aufholjagd bei diesen Aktien.

Mögliches Doppel-Top

Unser Fazit: Zuletzt sprachen die Argumente eindeutig für die Gold-Bullen. Allerdings kann es auch sein, dass sich die Bären die Tatzen reiben: Möglich ist ein Doppeltop – das würde auf einen kommenden tiefen Fall des Edelmetalles hindeuten. Dieser Fall könnte eintreten, wenn das Vertrauen in die eigene Zukunft etwa im Zuge einer Corona-Impfung zurückkehrt, die Wirtschaft wieder anspringt und die Notenbanken und Regierungen der Welt Stimuli zurückfahren. Wir behalten die Angelegenheit für Sie im Auge – die Bernstein-Bank wünscht erfolgreiche Trades und Investments!


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