
25.03.2020 –Special Report. Nun ist es also soweit: Die USA werden in Kürze Schecks an das Volk versenden. Dieser Schritt ist Teil des gigantischen Rettungsprogrammes von 2 Billionen Dollar. Die Corona-Krise hat damit eine absolute Zäsur in die Wirtschaftspolitik gerissen. Die Finanzwelt der kommenden Jahre wird eine komplett andere sein, als die welche wir bisher kannten. Wir beleuchten die möglichen Folgen für Aktien und Rohstoffe.
Entschlossenes Handeln in Washington
Die Welt reibt sich die Augen: Schnell und undogmatisch haben sich das Weiße Haus und die Republikaner mit den Demokraten im Kongress zusammengerauft. Amerika wendet die Modern Monetary Theory an und wirft Helicopter Money ins Volk. Die Idee dahinter: Die Verbraucher sollen direkt Dollars in die Hand bekommen, um einzukaufen. Nicht nur die Banken oder Firmen – die auch in separaten Paketen gerettet werden. Denn Konzerne könnten das Geld für die eigene Sanierung oder einen Aktienrückkauf einsetzen.
Gigantischer New Deal
Konkret steht in dem gigantischen Rettungsprogramm laut „The Hill“ Folgendes: „The deal includes $500 billion for a major corporate liquidity program through the Federal Reserve, $367 billion for a small business loan program, $100 billion for hospitals and $150 billion for state and local governments.“
1.200 Dollar für jeden
Und die Essenz in Sachen Helicopter Money: Einmalig 1.200 Dollar für jeden bis zu einer Einkommensgrenze von 75.000 Dollar. „The Hill“ weiter: „It will also give a one-time check of $1,200 to Americans who make up to $75,000. Individuals with no or little tax liability would receive the same amount, unlike the initial GOP (Grand Old Party – Republikaner; die Bernstein-Redaktion) proposal that would have given them a minimum of $600.“ Die wichtigste Essenz lautet: Die Börse freute all dies, der Dow Jones legte am Dienstag den größten Prozentsprung seit 1933 hin.

Forderung von Dr. Doom erfüllt
Damit ist nun außerdem eine weitere der drei Kern-Forderungen von Nouriel Roubini erfüllt, Professor an der zur New York University gehörenden Stern School of Business und besser bekannt als Dr. Doom. Wir zitieren aus einem Artikel, der jüngst auf dem Project Syndicate veröffentlicht wurde. Zunächst warnte er, dass der von Covid-19 ausgelöste wirtschaftliche Schock größer sei als die Finanzkrise 2008 und sogar als die Große Depression. Um sich aus ihr herauszuarbeiten müssten 1) die USA, Europa und andere in großem Stil Covid-19-Tests durchführen, Bewegungen analysieren, Quarantäne und einen großen Lockdown durchsetzen. Das ist nur teilweise geschehen, respektive gerade erst angelaufen. 2) müsse die Geldpolitik unkonventionell eingreifen. Das ist geschehen. 3) Und drittens müssten die Regierungen einen massiven Fiskal-Stimulus über „helicopter drops” auflegen – das steht nun zumindest in den USA bevor.
Warnung vor der Hyper-Inflation
Nicht alle sind begeistert vom Helikopter-Geld, allen voran die Anhänger der Austerität, also der Sparpolitik. Zunächst warnte Star-Investor Peter Schiff jüngst auf seinem Blog SchiffGold.com vor einer Politik wie in der Weimarer Republik, in Venezuela oder in Simbabe – wer dies verfolge, der erhalte in Sachen Geldpolitik das gleiche Ergebnis wie diese Staaten. Soll heißen: Hyper-Inflation.
Game Changer voraus
Zitieren wir außerdem Alastair Crooke, britischer Diplomat und Gründer des Conflicts Forum, einer Organisation, die sich für ein Engagement zwischen dem politischen Islam und dem Westen einsetzt. Was uns wegen der Unvereinbarkeit beider Welten schon recht skeptisch stimmt. Dennoch hier Teile aus seinem Artikel, der von The Strategic Culture Foundation veröffentlicht wurde. Crooke stellt zunächst fest, dass Helicopter Money ein geopolitischer Game Changer ist. Dann kritisiert er: „It is the legacy from 2008. That was primarily a banking crisis: Printing money seemed to work out pretty well then, in the view of the élites.“
Junk Bonds und Dollar short
Doch jetzt droht laut Crooke Schlimmeres: „But, the G7 Central Banks finally will have to fight the inflation monster that will be unleashed by their ‘helicopter theories’. Confidence in the dollar will decline, as more and more dollar helicopter ‘drops’ are made. Interest rates will rise, and western junk debt will become toxic, and untenable at higher rates.“ Das heißt für Trader und Investoren: Junk Bonds short, Dollar short.
Inflationsindexierte Anleihen und Gold long
Ins gleiche Horn stieß auch die Deutsche Bank: Konkret warnten die Analysten Oliver Harvey und Robin Winkler vor der Rückkehr der Inflation. Denn: „if the government tries to keep spending at levels before lockdowns began, while at the same time keeping lockdowns in place, there will be simply more money chasing after significantly fewer goods and services. The result of this will be inflation, and a lot of it.“ Das Ergebnis könne letztlich dem Lebensstandard der Menschen schaden. Der Tipp der Experten von der Deutschen Bank: Gold kaufen sowie Inflationsgebundene Bonds in den USA und in Europa, da sie aktuell auf Tiefständen notierten.
In der Inflation sind alle Sachwerte gefragt
Wir ergänzen: Falls Sie den Warnern folgen, gibt es noch weitere Möglichkeiten, sich vor der Inflation zu schützen. Immobilien etwa oder Aktien aus dem Bau- und Bauträger-Sektor. Oder einfach alle Aktien, denn die sind Sachwerte. Tatsächlich dürfte der New Deal die Kurse kräftig ankurbeln – die Massen an Geld müssen irgendwo hin, sobald der Deflationsschock behoben ist. Weiter dürften wir in der Realwelt kräftig steigende Preise für gesuchte knappe Güter wie Kunst oder Whisky erleben.
Politischer Bull-Factor für die Börse
Mittelfristig dürfte die Wall Street noch aus einem anderen Grund anziehen: Die aktuelle Zäsur dürfte für eine Wiederwahl von Donald Trump sorgen – dessen Handling in der Angelegenheit laut einer neuen Gallup-Umfrage bei 60 Prozent der Amerikaner gut ankommt. Dagegen hat sich der voraussichtliche – und zudem mutmaßlich korrupte – demokratische Herausforderer Joe Biden in der Quarantäne verkrochen. Und sich in einem eher seltsamen Interview mit MSNBC recht unkonkret darüber geäußert, wie er die Sache angehen würde. Siehe hier.
Gleichzeitig ist ein Hinterfragen der Bundesregierung hierzulande nicht zu hören, obwohl Berlin in Sachen Schutzmasken, Intensiv-Betten oder Schließung der Grenzen geschlafen hat. Dies, obwohl das Robert-Koch-Institut schon 2012 ein Pandemie-Szenario mit einem asiatischen „Modi-SARS-Virus“ vorgelegt hat – „Regieren bei verstummter Kritik“ lautet das Fazit von Alexander Wendt, einem der klügsten Köpfe im Land. Wir haben also eine Presselandschaft a la DDR. Behalten Sie das im Hinterkopf, wenn Sie sich nach Analyse der deutschen Fiskal- und Geldpolitik an der Börse positionieren.
In diesem Sinne: Bei uns lesen Sie die Gegenstimme und interessante Hintergründe. Die Bernstein-Bank wünscht erfolgreiche Trades und Investments!
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