Ritterschläge für die Kryptos

Trading stick

10.08.2020 –Special Report. Die Cyber-Devisen haben zuletzt eine extrem bullishe Performance vorgelegt. Dabei haftet Bitcoin, Ether und co. der Makel der Verbrecher-Währung an – die E-Devisen lassen sich unkontrolliert überall im Web speichern. Nun zeichnet sich die Absolution ab: Wortmeldungen aus der Finanzwelt deuten auf eine neue Akzeptanz hin. Offenbar werden die einst verfemten Devisen nun satisfaktionsfähig.

Erstaunliche Kehrtwende bei Goldman Sachs

Ausgerechnet einer der bisher größten Gegner der Kryptos hat gerade einen massiven Dreh um 180 Grad vorgelegt und Interesse an der Assetklasse signalisiert. Die Goldmänner überlegten die Einführung einer eigenen Krypto-Währung, sagte Mathew McDermott, der neue globale Leiter der ebenfalls neuen Abteilung Digital Asset bei Goldman, am vorigen Donnerstag dem Fernsehsender CNBC.
Noch im Mai hatte Goldman Sachs Bitcoin den Status als Anlageklasse abgesprochen. Laut „Forbes“ hielt die Investmentbank im Frühjahr eine Präsentation mit dem Titel „U.S. Economic Outlook and Implications of Current Policies for Inflation, Gold and Bitcoin“. Darin wurden fünf Gründe gelistet, warum Bitcoin eben gar keine eigene Assetklasse seien.

Stablecoin in Arbeit

Nun titelte „ValueWalk“, Goldman arbeite an einer Stablecoin. Umgehend meldeten sich jubelnde E-Bullen auf dem Blog zu Wort. Konstantin Richter, Gründer von Blockdaemon urteilte: „Customer demand will drive revenue and open up new channels so it would only be detrimental to their business if they didn’t explore this opportunity.“ Wir ergänzen: Angesichts von Nullzinsen und der stellaren Performance der Kryptos haben sich viele Anleger vom zuletzt schwächelnden Dollar abgewandt – und sind jetzt in E-Devisen investiert.
Dave Hodgson, Chief Investment Officer, bei NEM Ventures urteilte, „I expect that this move will be reassuring to Goldman Sachs investors, who otherwise may find it difficult to gain exposure to this innovative asset class. (…) This is an encouraging step for the space as a whole, but altogether unsurprising given recent investments made by competitors JPMorgan and Fidelity.“

Radikale Wende bei JPMorgan

Tatsächlich hatte im Mai mit JPMorgan die größte amerikanische Bank ebenfalls eine radikale Kehrtwende vollzogen. Im September 2017 hatte JPM-Chef Jamie Dimon Bitcoin noch einen „Fraud“ genannt, nachdem BTC von 20.000 auf 4.000 Dollar abgestürzt war. Doch laut „Forbes“ gestattet die Bank nun die Abwicklung mit Kunden von zwei Crypto-Börsen – und Dimon habe sich sogar heimlich mit dem Chef der größten Börse Coinbase getroffen. Der einstmals größte Feind ist also nun ein Verbündeter. Voriges Jahr hatte die Bank übrigens ihre eigene E-Währung gestartet – doch die JPM Coin ist an den Dollar gebunden und damit nichts anderes als ein elektronisches Derivat.

Die Profis sind längst investiert

Und im Juni hatte Fidelity Investments für Aufsehen gesorgt. Der Fondsmanager teilte mit, 36 Prozent der von ihm befragten 776 Investoren in den USA und in Europa seien in Cryptos oder Derivaten investiert. Rund ein Viertel halte BTC, etwa 11 Prozent Ether.

US-Banken dürfen nun Kryptos abwickeln

Der Trend könnte sich noch steigern, denn das Blog CoinTelegraph hatte am 22. Juli frohe Kunde für die Bullen: Demnach hat die amerikanische Bankenaufsicht Office of the Comptroller of the Currency (OCC) allen offiziell registrierten Banken und Sparkassen die Erlaubnis erteilt, Cryptocurrencies zu halten und abzuwickeln. Wörtlich hieß es: „The OCC recognizes that, as the financial markets become increasingly technological, there will likely be increasing need for banks and other service providers to leverage new technology and innovative ways to provide traditional services on behalf of customers.” Soll heißen: Die starke Nachfrage der Kunden hat diesen Schritt unumgänglich gemacht – E-Devisen werden also offenbar gesellschaftsfähig und massentauglich.

Das große Dollar-Debasement

Dies ist in Zeiten der Dollar-Entwertung wenig überraschend – im Zuge der massenhaften Corona-Stimuli flüchten die Anleger in Alternativen zum Papiergeld. Gold, Silber und eben Kryptos. Das Ergebnis ist eine bislang ansehnliche Wertentwicklung. So urteilte Fondsmanager Raoul Pal von Real Vision auf CoinTelegraph, BTC sei die einzige Assetklasse weltweit, die das Wachstum der Bilanzen in den Zentralbanken der G4 ausgeglichen habe. Als da wären die Bank of England, die Bank of Japan, die Federal Reserve, und die European Central Bank. Für Pal, immerhin ehemaliger Manager bei Goldman Sachs, dürfte Bitcoin wegen der Entwertung der weltweiten Devisen in den kommenden fünf Jahren um das 50- bis 100fache steigen.

Wir raten allerdings, staatliche Gegenmaßnahmen im Blick zu behalten – Währungshütern und Politikern gefällt eine unkontrollierte Konkurrenz nicht. Ein Verbot von Kryptos ist jederzeit und überall möglich. Wir behalten die Angelegenheit für Sie im Auge – die Bernstein-Bank wünscht erfolgreiche Trades und Investments!


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