16.02.2024 – Forex-Trader im Yen brauchen weiter eine Menge Geduld: Alles schreit nach einer „Yentervention“. Denn die Bank of Japan zeigt sich zögerlich wie immer in ihrer Wende von der Nullzinspolitik. Ergo schwächelt der Yen. Doch außer verbalen Signalen für eine Intervention bleibt auf dem Nippon bislang alles beim Alten.

Frei nach „Warten auf Godot“, dem Theaterstück von Samuel Beckett, zeigt sich Japan als Sinnbild von Verantwortungslosigkeit und endlosem Abwarten. Jede Handlung ist für farblose Funktionäre enorm gefährlich, jeder Schritt könnte fatale Folgen haben. Das Nichtstun hat Folgen: Der Yen schwächelt, im Bild der Tageschart. Doch nun riecht es wieder einmal heftig nach einer Intervention, denn die japanische Lira klebt über der magischen Marke von 150. Bisher lässt sich der Markt von Worten nicht schrecken.

 

Quelle: Bernstein Bank GmbH

Wir erinnern uns: Im September 2022 und im Oktober darauf hatte die Bank of Japan mit massiven Yen-Käufen interveniert, als die heimische Währung die Marken von 145 und 150 erreicht hatte. Dies war die erste Intervention seit 1998 – die Zentralbank verbrannte umgerechnet 60 Milliarden Dollar dabei.

Schall und Rauch

Am heutigen Freitag meldete sich Gouverneur Kazuo Ueda zu Wort. Und warnte, die Notenbank untersuche, ob sie ihr Easing beibehalten werde, darunter den Negativzins. Damit reagierte er auf die Nachricht vom Vortag, wonach die japanische Wirtschaft in die Rezession gerutscht ist. Ueada erläuterte, vor allem komme es auf die Lohnentwicklung an, um den Zinskurs zu ändern.

Zuvor hatte der Yen am Mittwoch erstmals seit November wieder die Marke von 150 überschritten. Der Grund waren die heißer als erwartet ausgefallenen amerikanischen Inflationsdaten, welche die Hoffnungen auf eine baldige Zinssenkung in den USA erst einmal begruben und den Greenback stärkten.

Talk is cheap

Umgehend meldeten sich danach die Bürokraten auf dem Nippon zu Wort und intervenierten erst einmal verbal – das kostet ja nichts. So erklärte der für internationale Angelegenheiten zuständige Vize-Finanzminister Masato Kanda, einige der jüngsten schnellen Bewegungen im Forex-Markt lägen im Rahmen der Fundamentaldaten, andere seien aber nicht wünschenswert. Die Behörden seien bereit, zu reagieren – und das 24 Stunden pro Tag und 365 Tage im Jahr. Gerade bekräftigte außerdem Finanzminister Shunichi Suzuki vor dem Parlament seine Entschlossenheit, bei allzu starken Forex-Schwankungen einzugreifen.

Wir meinen: Das ist das übliche Schaulaufen und Aufgeplustere von Menschen, die sich nichts trauen. Doch wir können ja auch falsch liegen.

Kluft zwischen Börse und Verbrauchern

Unterdessen stieg die Rendite für zehnjährige Japan-Bonds auf 0,76 Prozent – der höchste Stand seit Mitte Dezember. Die „Japan Times“ kommentierte, die Anleger glaubten verstärkt daran, dass die Bank of Japan doch den Zins erhöhen werde.

Bleibt anzumerken, dass am Aktienmarkt der Nikkei-Index inzwischen nahe an seinem Allzeithoch notiert. Vor allem exportlastige Titel profitieren von der anhaltenden Yen-Schwäche, während Konsumtitel und der Binnenmarkt durch die verteuerte Einfuhr unter Druck geraten. Soll heißen: Börsianer und Export-Konzerne jubeln, die Verbraucher und Importeure leiden. Keine guten Aussichten für die Politik.

Unser Fazit: Wir sind gespannt, wie lange die Simulation von Entschlossenheit in Tokio noch anhalten kann. Der Yen hat in den vergangenen zwei Jahren fast ein Viertel an Wert verloren und sich damit als schwächste unter den großen Währungen präsentiert. Forex-Trader liegen jedenfalls auf der Lauer. „Concerns are growing about verbal intervention from the Japanese authorities and market players would need to assess the intensity of the warning from here,” urteilte Keiichi Iguchi, Senior Strategist bei Resona Holdings. „Some nervousness will prevail among investors due to intervention concerns.”

Wir sind also gespannt, ob die Bank of Japan in Kürze doch finanziell interveniert oder den Kurs ändert – und wünschen erfolgreiche Trades und Investments!

 

______________________________________________________________________________________________________________

Wichtige Hinweise:

Der Inhalt dieser Publikation dient ausschließlich allgemeinen Informationszwecken. Es handelt sich in diesem Kontext weder um eine individuelle Anlageempfehlung oder -beratung, noch um ein Angebot zum Erwerb oder der Veräußerung von Wertpapieren oder anderen Finanzprodukten. Der betreffende Inhalt sowie sämtliche enthaltenen Informationen ersetzen in keiner Weise eine individuelle anleger- bzw. anlagegerechte Beratung. Jegliche Darstellungen oder Angaben zu gegenwertigen oder vergangenen Wertentwicklungen der betreffenden Basiswerte erlauben keine verlässliche Prognose oder Indikation für die Zukunft. Sämtliche aufgeführte Informationen und Daten dieser Publikation basieren auf zuverlässigen Quellen. Die Bernstein Bank übernimmt jedoch keine Gewähr bezüglich der Aktualität, Korrektheit und Vollständigkeit der in dieser Veröffentlichung aufgeführten Informationen und Daten. An den Finanzmärkten gehandelte Wertpapiere unterliegen Kursschwankungen. Ein Contract for Difference (CFD) stellt darüber hinaus ein Finanzinstrument mit Hebelwirkung dar. Der CFD-Handel beinhaltet vor diesem Hintergrund ein hohes Risiko bis zum Totalverlust und ist damit unter Umständen nicht für jeden Anleger geeignet. Stellen Sie deshalb sicher, dass Sie alle korrelierenden Risiken vollständig verstanden haben. Lassen Sie sich gegebenenfalls von unabhängiger Seite beraten. CFDs sind komplexe Instrumente und gehen wegen der Hebelwirkung mit dem hohen Risiko einher, schnell Geld zu verlieren. 68% der Kleinanlegerkonten verlieren Geld beim CFD-Handel mit diesem Anbieter. Sie sollten überlegen, ob Sie verstehen, wie CFD funktionieren, und ob Sie es sich leisten können, das hohe Risiko einzugehen, Ihr Geld zu verlieren.

CFD sind komplexe Instrumente und gehen wegen der Hebelwirkung mit dem hohen Risiko einher, schnell Geld zu verlieren. 68% der Kleinanlegerkonten verlieren Geld beim CFD-Handel mit diesem Anbieter. Sie sollten überlegen, ob Sie verstehen, wie CFD funktionieren, und ob Sie es sich leisten können, das hohe Risiko einzugehen, Ihr Geld zu verlieren.