19.09.2022  – Der Yen schwächelt ungebremst weiter. Was am Negativzins liegt – Japan ist der einsame Verfechter der anhaltenden Geldflutung. Die Frage aller Fragen für den Yen: Wird die Bank of Japan den Kurs ändern oder nicht?

How low can you go? Der Yen schwächelt ungebremst, USDJPY läuft wie auf Schienen nach oben. Siehe unseren Tageschart mit der 50-Tage-Linie. Der Yen hat zum Dollar gerade den schwächsten Stand seit über zwei Jahrzehnten markiert. Seit 1998, um genau zu sein.

 

 

Quelle: Bernstein Bank GmbH

Kein Wunder: Während die US-Notenbank beherzt die Zinswende umsetzt, hält die Bank of Japan den Leitzins seit 2016 bei minus 0,1 Prozent. Die japanische Notenbank hat sich stattdessen dafür entschieden, die Rendite der zehnjährigen Japan-Bonds bei rund 0,25 Prozent einzufrieren. Wir sind gespannt, wie sich die Bank of Japan bei ihrem nächsten Zinsentscheid am 22. September positioniert.

Zaghafte verbale Intervention

Gerade hat der Markt aufgehorcht. Denn Hirokazu Matsuno, Japans oberster Kabinettssekretär, erklärte, dass die Regierung bereit sei, jede mögliche Entscheidung zu treffen, um den japanischen Yen zu stabilisieren. Der Markt hat sich bislang unbeeindruckt von den Ankündigungen gezeigt und die verbale Intervention schnell abgehakt.

Mögliche Kapital-Repatriierung

Doch für das Finanzblog „ZeroHedge“ ist der aktuelle Aufwärtstrend bald Geschichte. Japan sei ein Netto-Kapital-Exporteur, will heimische Investoren verstärkt im Ausland investierten. Einheimische Anleger hätten viele ausländische Assets gekauft, internationale Investoren hätten sich in Japan zurückgehalten. Zudem sorgten die steigenden Energiepreise für einen Ausfluss an Kapital. In normalen Zeiten würde der schwache Yen den Export ankurbeln. Allerdings hätten zuletzt die Importe die Ausfuhren überwogen. Ferner sei der Tourismus im Zuge von Corona eingebrochen. Was sich nun aber ändern könne. Wir ergänzen: Gleiches gilt für den Export – wenn sich die Importlage zusammen mit Corona im Rest der Welt stabilisiert, könnten günstige und hochwertige japanische Güter gefragt sein. Heimelektronik, Autos, whatever.

Der Katapult

Somit könne der Yen zum Katapult werden, fuhr „ZeroHedge“ fort. Jede heimische Krise könne umgehend dafür sorgen, dass Geld repatriiert werde. Und mit einer Net International Investment Position von umgerechnet 3,5 Billionen Dollar würde das zu einer heftigen Yen-Rally führen. Wobei wir uns fragen, welche Krise das wohl sein könnte.

Keine nennenswerte Inflation

Unsere Gegenstimme: Solange nicht die seit Jahrzehnten andauernde Flaute der japanischen Produktivität beseitigt ist, dürfte der Zins in Japan nicht steigen. Denn höhere Zinsen würden die Kreditaufnahme abschwächen und die Wirtschaftsleistung bremsen. Ferner haben Japaner kein Problem damit, sich in Zeiten steigender Inflation einzuschränken. Zumal die Inflationsrate auf dem Nippon sowieso nur bei 2,6 Prozent liegt. Daher könnte es für USDJPY aus Sicht der Bullen durchaus noch schlimmer kommen: Anfang der 70er Jahre stand der Yen zum Dollar bei rund 350.

So sieht auch Jesper Koll, Direktor bei der Investmentboutique Monex Group, den Yen auf dem Weg zu 150 bis 160. Koll sah vor einigen Tagen im Gespräch mit CNBC zwei mächtige Kräfte am Werk: Die Ausweitung der Zinsdifferenz zu den USA und das japanische Leistungsbilanzdefizit. Die Entwicklung der Währung laufe wie aus dem Schulbuch und basiere vorhersehbar auf Fundamentaldaten.

Bleibt wiederum festzustellen, dass die japanische Notenbank die Börse überraschen könnte. Shorties könnten dann auf dem falschen Fuß erwischt werden. Andererseits könnte der erwartete Turnaround noch ewig dauern. Wir hoffen, dass Sie bei der Abwägung der Argumente richtig liegen. Die Bernstein Bank behält die Lage für Sie im Blick!

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