28.06.2022  – Gerade schlug der legendäre Investor Michael Burry mit einem kargen Tweet Alarm, der es in sich hat: Der Gründer des Hedge Fonds Scion Asset Management warnte vor dem sogenannten “Bullwhip Effect” im Retail-Sektor. Bald drohe eine Angebotsflut, die wiederum zu sinkenden Verbraucherpreisen später im Jahr führen werde. Letztlich werde die Federal Reserve die gerade angelaufene Zinsanhebung umdrehen und das Quantitative Tightening beenden.

Sinkende Preise – Deflation und Wirtschaftscrash. Einbruch von Börsen und Commodity-Märkten. Falls Sie dieser Auffassung folgen, sollten Sie sich Kupfer von der Short-Seite her genauer anschauen. Denn das rote Metall findet sich nahezu überall und ist daher ein famoser früher Konjunktur-Indikator am Anfang der Produktionskette. Kupfer wird verwendet in der Elektrotechnik, im Bau, in der Medizin, im Maschinenbau, im Kunsthandwerk, in der Versorgungs- und Kommunikationstechnik bei Möbeln und Musikinstrumenten. Und übrigens auch im Messing von Patronenhülsen, die gerade stark gefragt sind. Im Frühjahr notierte Kupfer bei über 10.000 Dollar je Tonne auf einem Allzeithoch, seitdem ist es bis weit unter der 50-Tage-Linie bergab gegangen.

 

 

Und damit zu den Feinheiten: Der Bullwhip Effect – auch Whiplash Effect oder Peitscheneffekt – bedeutet, dass am Anfang der Peitsche an der Faust des Peitschenhalters beim Schwingen nur eine kleine Welle entsteht. Die weitet sich aber mit jedem Ausholen aus – und am Ende der Peitsche sind die Schwingungen bis zum Knall an der Spitze enorm groß.

Fehlinterpretation der Nachfrage

Übertragen auf den Handel bedeutet dies grob gesagt, dass sich kleine Schwankungen der Nachfrage im Laufe der Lieferkette aufschaukeln – und dass die Wirtschaft aktuell wegen der Inflation im Supply-Chain-Management letztlich von einer viel zu großen Nachfrage ausgeht. Und dass sie die Produktion zu stark nach oben fährt. Verstärkt wird dies durch den Effekt, dass der Handel auf große Abnahme-Mengen setzt, um Rabatte bei den Herstellern herauszuholen. Vermutet zudem ein Abnehmer steigende Preise, so wird er Vorräte anlegen, die wenig mit der Nachfragesituation zu tun haben. Und irgendwann folgt das Überangebot. Ergo im Worst Case Pleite von Supermärkten, Insolvenzen von Herstellern, platzende Kredite, wankende Banken, Arbeitslosigkeit, Rezession.

The Big Short II

Michael Burry ist nicht irgendwer: Er wettete mit einer Hand voll Gleichgesinnter vor 2008 auf das Platzen von Unmengen an faulen, mit wertlosen Hypotheken unterlegten Finanzderivaten – und auf das Umkippen von Investmentbanken, die diese Assets eingekauft hatten. Burry lag richtig. Weil er recherchieren ließ, wer eigentlich all die ach so sicheren Hypotheken aufgenommen hatte – Stripperinnen etwa oder Hausbesitzer, die an Arbeitslose vermietet hatten. Im Lehman-Crash wurde Burry Milliardär. Verarbeitet wurde die Saga in Buch und Film unter dem Titel „The Big Short“.

Preissturz voraus?

Wir sind gespannt, ob sich die Geschichte wiederholt. Auch das Finanzblog „ZeroHedge“ hat in den vergangenen Wochen wiederholt vor einem „deflationären Tsunami“, einer Welle von Discounts und einstürzenden Preisen gewarnt. Die Inflation sei kein guter Indikator, denn sie bleibe vor allem wegen Lebensmitteln und Energie hoch. Unser Fazit: Egal ob Sie an der Börse oder bei Commodities investieren – Sie sollten diese Warnung im Hinterkopf behalten. Die Bernstein-Bank wünscht viel Erfolg!

 

 


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