Tumult in der Crypto-Anstalt

Crisis trading

14.05.2021 –Special Report. Aufruhr im digitalen Irrenhaus: Der Crypto-Pate Elon Musk hat gerade für heftige Turbulenzen bei Bitcoin gesorgt. Denn Tesla wird nun doch nicht mehr BTC als Zahlungsmittel akzeptieren. Der Grund für die Rolle rückwärts: Die schlechte Energiebilanz beim Mining. Weiter sorgte Musk bei Dogecoin für Trubel.

Tesla wird BTC nicht mehr akzeptieren

So schnell dreht sich der Wind am Crypto-Markt: Elon Musk führte BTC mit einem einzigen Tweet auf die Schlachtbank. „Cryptocurrency is a great idea on many levels and has a promising future but this cannot come at a great cost to the environmet.“ Und weiter: Seine Firma „will not be selling any bitcoin and we intend to use it for transactions as soon as mining transitions to a more sustainable energy.“

Schlechte Energiebilanz beim Mining

Das ist ja mal ganz was Neues: Elon Musk hat also festgestellt, dass Computer eine Menge Strom fressen. Echt jetzt? Und gerade in den digitalen Wunderländern China oder Indien wird ja viel Strom aus schmutziger Energie gewonnen, die beiden Riesenreiche bauen aktuell mehrere Dutzend Kohlekraftwerke. Dabei hat doch Sankta Greta noch nie Neu Delhi oder Peking kritisiert. Schuld ist immer nur der Westen, weshalb Deutschland dringend eine Öko-Diktatur braucht.

Hin und Her bei BTC

Musk galt bislang der größte Crypto-Champion in Corporate America. Ist er es noch? Wer weiß. Im ersten Quartal hatte der E-Autobauer dank des Verkaufs von Bitcoin einen Profit von 272 Millionen Dollar gemeldet. Erst im Februar hatte Tesla den Kurs von Bitcoin nach oben katapultiert mit der Ankündigung, künftig die Kryptowährung als Zahlungsmittel zu akzeptieren. Die Halbwertszeit solcher Aussagen ist also recht kurz.

Spielball Dogecoin

Der Großmeister hatte gerade bei Dogecoin für ähnliche Turbulenzen gesorgt. Erst vor kurzem hatte Musk Doge hochgejubelt. Am vorigen Samstag schließlich versetzte der Tesla-Chef in der Kult-Sendung „Saturday Night Live“ Doge dann aber einen heftigen Nackenschlag. In einem drögen und seltsamen Auftritt pushte er keineswegs die Satire-Währung, wie einige Bullen erhofft hatten. Im Gegenteil: Musk äußerte sich abwertend: Doge sei ein „Hustle“, also ein Schwindel. Dann wieder witzelte der Tesla-Chef, vielleicht werde er Doge als Zahlungsmittel akzeptieren. Und heute schoss Musk Doge weiter mit einem Tweet nach oben, denn er nannte diese Kryptowährung vielversprechend. Wörtlich hieß es: „Working with Doge devs to improve system transaction efficiency. Potentially promising.“

Das sieht nach Kursmanipulation aus

Die Moral aus der Geschicht: Wer in Cryptos investiert, braucht starke Nerven und muss sich der Möglichkeit der Kursmanipulation bewusst sein. Denn die Marktkapitalisierung ist klein, Großmeister im Finanzmarkt können den Kurs nach Belieben hin und her schütteln. Wir hatten an dieser Stelle schon vor einiger Zeit vor dieser Gefahr gewarnt. Erratische Wendungen sind bei Leuten wie Musk jederzeit möglich, zumal bei einem Menschen, der seinen Sohn „X AE A-XII“ nennt, der Grat zwischen Genie und Wahnsinn offenbar schmal ist.
Ansonsten fragen wir uns, wann sich die US-Börsenaufsicht der Sache annimmt. Das ganze Vorgehen von Elon Musk bei Doge und BTC sieht doch sehr nach Frontrunning aus. Eine Untersuchung könnte als mega-bearisher Faktor dem gesamten Crypto-Markt auf die Füße fallen, weil es den Befürwortern eines Bitcoin-Verbotes einige scharfe Munition liefert.

Grüne Digital Natives

Und wer weiter in Cryptos engagiert bleiben will, muss sich zudem über die, sagen wir mal: erratische, Zusammensetzung der Investorenschaft im Klaren sein. Anders als bei Gold oder Aktien haben wir es eher mit einer jungen Klientel zu tun, die noch wenig Lebenserfahrung hat, aber unbedingt die Welt retten will. Digital Natives, Fridays for Future, grüner Parteitag, Männer-Dutt und Hipster-Bart. Deswegen hatte das Wort des sauberen E-Auto-Hersteller Tesla ja so großes Gewicht. Und diese Leute ticken eben etwas anders – hysterische Insassen in grünen Gummizellen reagieren auf echte oder vermutete moralische Öko-Verfehlungen etwas gereizt. Dazu gesellen sich einige IT-Kriminelle – Lösegeld in einer digitalen Erpressung wird meist in Bitcoin und co. bezahlt. Der Anteil der Investoren, die mit eigener Leistung ein Vermögen erarbeitet haben und dies bei den Cryptos vor der Inflation in Sicherheit bringen wollen, dürfte noch eher gering sein. Profis scheuen die heftige Volatilität.

Möglicher Gewinner Ethereum

Ansonsten könnten wir eine Sektor-Rotation erleben: Raus aus Bitcoin und Dogecoin, rein in Ethereum. Schon JPMorgan hatte jüngst darauf hingewiesen, dass ESG-Faktoren Gründe für den explosiven Anstieg bei Ether seien. Die Abkürzung ESG steht für „Environmental, Social, and Governance“. Wir übersetzen: Gutmenschen lieben Ethereum. Denn diese Token brauchen weniger Energie beim Mining. Allerdings setzte Ether gerade wieder zurück, weil Musk sich positiv über Doge äußerte und Ether außen vor ließ.
Wir hoffen, dass Sie dem Theater eine amüsante Seite abgewinnen und dass Sie im wilden Hin und Her stets auf der richtigen Seite stehen. Die Bernstein-Bank behält das Thema für Sie im Blick!


Wichtige Hinweise:

Der Inhalt dieser Publikation dient ausschließlich allgemeinen Informationszwecken. Es handelt sich in diesem Kontext weder um eine individuelle Anlageempfehlung oder -beratung, noch um ein Angebot zum Erwerb oder der Veräußerung von Wertpapieren oder anderen Finanzprodukten. Der betreffende Inhalt sowie sämtliche enthaltenen Informationen ersetzen in keiner Weise eine individuelle anleger- bzw. anlagegerechte Beratung. Jegliche Darstellungen oder Angaben zu gegenwertigen oder vergangenen Wertentwicklungen der betreffenden Basiswerte erlauben keine verlässliche Prognose oder Indikation für die Zukunft. Sämtliche aufgeführte Informationen und Daten dieser Publikation basieren auf zuverlässigen Quellen. Die Bernstein Bank übernimmt jedoch keine Gewähr bezüglich der Aktualität, Korrektheit und Vollständigkeit der in dieser Veröffentlichung aufgeführten Informationen und Daten. An den Finanzmärkten gehandelte Wertpapiere unterliegen Kursschwankungen. Ein Contract for Difference (CFD) stellt darüber hinaus ein Finanzinstrument mit Hebelwirkung dar. Der CFD-Handel beinhaltet vor diesem Hintergrund ein hohes Risiko bis zum Totalverlust und ist damit unter Umständen nicht für jeden Anleger geeignet. Stellen Sie deshalb sicher, dass Sie alle korrelierenden Risiken vollständig verstanden haben. Lassen Sie sich gegebenenfalls von unabhängiger Seite beraten.

CFD sind komplexe Instrumente und gehen wegen der Hebelwirkung mit dem hohen Risiko einher, schnell Geld zu verlieren. 81% der Kleinanlegerkonten verlieren Geld beim CFD-Handel mit diesem Anbieter. Sie sollten überlegen, ob Sie verstehen, wie CFD funktionieren, und ob Sie es sich leisten können, das hohe Risiko einzugehen, Ihr Geld zu verlieren.