
02.11.2020 –Special Report. Selten war eine Präsidentschaftswahl so wichtig wie aktuell. Linksschwenk und US-Sozialismus oder eine Fortsetzung der „America-First“-Politik. Globalisierung und offene Grenzen versus Patriotismus und Schutz der amerikanischen Wirtschaft. In dieser epochalen Auseinandersetzung sind Wahlfälschung und Unruhen möglich. Vermutlich ist das Ergebnis lange unklar – was neue Corona-Stimuli blockieren könnte. Was wiederum für ein Investment in den Angstindikator VIX spricht. Der läuft gerade auf gefährliches Gelände zu.
Ziehen Sie sich warm an
Es könnte bald wochenlang ungemütlich werden an der Börse und in der Realwelt. Falls es Wahlanfechtungen gibt – uns die scheinen so sicher wie das Amen in der Kirche – hängt das Weiße Haus in der Luft. Auch bei den neu zu besetzenden Sitzen in Senat und Repräsentantenhaus könnte es alles andere als glatt laufen. Richtig spannend wird die Sache, wenn sich Wahlmänner dem Wahlergebnis in einem Staat verweigern und anders stimmen, weil sie Wahlbetrug wittern. Genau deswegen wurde dieses Kolleg übrigens eingerichtet. Oder wenn der Sieger letztlich vor dem Repräsentantenhaus gekürt werden muss. Oder wenn der Supreme Court über die Neuauszählung in Bundesstaaten entscheiden muss. Klar ist, dass bis zum 20. Januar ein Ergebnis her muss. Hier für das richtige Timing Ihrer Trades der Wahlkalender.

Viele an der Börse vermuten, dass eine Entscheidung über neue Stimuli lange ausbleiben könnte und dass es keinen klaren Kurs in der Corona-Bekämpfung gibt. Kurz: Anhaltende Agonie in der Wirtschaft. Und Ausverkauf am Aktienmarkt. Jedenfalls passt die aktuelle Skepsis an der Wall Street nicht zu den Umfragen, die Joe Biden landesweit rund 7 Prozentpunkte vorne sehen – eigentlich eine klare Sache, welche die Nerven beruhigen sollte. Doch aktuell sieht eher Donald Trump wie der sichere Sieger aus: Er lockte am Weekend zehntausende begeisterte Anleger bei Wind und Wetter zu Wahlpartys an – etwa in den wichtigen Swing States Pennsylvania, Georgia und North Carolina. Biden dagegen sprach nur vor kleinen Gruppen von vielleicht 200 Leuten, die umgehend von Trump-Gegendemonstranten provoziert wurden.
Chaos und Wahlbetrug
Leider könnte es in mehreren Bundesstaaten tatsächlich Wahlbetrug durch die Demokraten geben. Während die meisten hiesigen Medien dies als Verschwörungstheorie von Trump abtun und sich weigern, zu recherchieren, zog das Magazin „Eigentümlich frei“ interessante Fakten ans Licht: So sei die Wahlfälschung in demokratischen Hochburgen wie Baltimore und Chicago quasi an der Tagesordnung. US-Präsident Barack Obama im Jahr 2013 einen Untersuchungsbericht zu diesem nationalen Thema in der Schublade verschwinden lassen. Der Think Tank Judicial Watch habe in diesem August festgestellt, dass in 353 Regierungsbezirken mehr Wähler registriert sind, als Einwohner bei der letzten Volkszählung festgestellt wurden. „Immerhin 1,8 Millionen solcher überschüssiger Phantomwähler gibt es. Viele davon sind in andere Bundesstaaten umgezogen und können prinzipiell doppelt wählen – an ihrem neuen und an ihrem ehemaligen Wohnort.“
Seltsamerweise würden stets nur die Republikaner vom Wahlbetrug benachteiligt, nicht aber die Demokraten, fuhr „Eigentümlich frei“ fort: „In Ohio beispielsweise wurden 50.000 Briefwahlunterlagen verschickt, bei denen vergessen worden war, Trump auf dem Stimmzettel als Kandidaten einzutragen. (…) „Project Veritas“, ein Team von Investigativ-Journalisten, filmte einen Wahlkampfhelfer der demokratischen Abgeordneten Ilhan Omar in Minneapolis mit verdeckter Kamera, der erläutert, wie er Somalis 50 Dollar zahlt, wenn sie auf ihrem Stimmzettel Omar ankreuzen.“ Passend dazu eine Meldung von Fox News: Ein Sprecher der Wahlkommission des Broward County in Florida bestätigte gerade, dass jemand versucht habe, Dutzende Verstorbene für die Briefwahl zu registrieren.
Juristische und echte Schlachten
Und das „Wall Street Journal“ meldete gerade, es gebe ein Risiko bei Mail-In-Ballots in den Battleground-Staaten – Wahllokale hätten Millionen von Stimmzetteln noch nicht erhalten, es bestehe die Gefahr, dass diese nicht rechtzeitig gezählt würden. Wir meinen: Trump hatte also Recht mit seiner Warnung, Briefwahl könne zu Chaos führen. Ergo fuhr das WSJ fort, Rechtsanwälte machten sich schon bereit für juristische Schlachten in Pennsylvania, Michigan und Wisconsin.
Nicht nur vor Gericht dürfte es ungemütlich werden. Eine Umfrage von USA Today/Suffolk University ergab, dass drei Viertel der Wähler besorgt sind über Gewalt am Wahlabend und danach. Und nur ein Viertel zeigte sich “very confident”, dass es einen friedlichen Machtübergang gebe, falls Joe Biden Donald Trump schlagen werde. Bleibt anzumerken, dass die Unruhen wahrscheinlich eher ausbrechen, falls Trump gewinnt und die Antifa revoltiert. Bleibt ferner anzumerken, dass die Gewalt im Sommer in den US-Städten zu 100 Prozent von den Linksfaschisten und von Black Live Matters ausging und dass die Ausschreitungen zu 95 Prozent in demokratisch regierten Städten tobten, wo die Bürgermeister die Polizei abzogen. Und wo sich letztlich die Bürger bewaffneten und sich mit Waffen wehrten, wie in Kenosha, Wisconsin. Jedenfalls verbarrikadieren aktuell schon überall in den USA Geschäfte ihre Schaufenster mit Sperrholz. Letztlich kann es sein, dass die Sache blutig ausgefochten wird.

VIX lauft auf die gefährliche Zone zu
All dies führte das brilliante Finanzblog ZeroHedge dazu, auf eine unsichtbare, aber wichtige Linie im VIX bei rund 44 Punkten hinzuweisen. Der Indikator kam der Linie zuletzt recht nah, vorige Woche schloss er bei 41,5. Bei knapp 44 verlaufe die 3-Sigma-Linie des Angstindikators, nur 203 mal in seiner Geschichte oder in 2,6 Prozent der Fälle habe der Index darüber geschlossen. Der durchschnittliche Schluss des VIX in den vergangenen 30 Jahren habe bei 19,44 gelegen, die Standardabweichung sei 8,12; drei Standardabweichungen seien also 43,8.
Unsere Übersetzung: Der VIX hat sich gerade an ein Extremniveau heran bewegt, das zu den aktuellen extremen Zeiten passt. Wir hatten an dieser Stelle mehrfach auf die Bedeutung des VIX als möglichen Trade für die Wahl hingewiesen. ZeroHedge fuhr fort: Historisch gesehen habe der Volatility Index in 94 Prozent der Fälle innerhalb von zwei Zeiträumen über 44 geschlossen: In der Finanzkrise 2008/09 und eben jetzt in 2020. Unser Fazit: All dies belegt, dass wir in außergewöhnlichen Zeiten leben. Wir nähern uns offenbar einer Krise, die zu 2008 passt. Dann hätten die Börsen-Indizes noch einige Luft nach unten.
Achten Sie auf Florida und North Carolina
Es ist zwar gut möglich, dass die US-Wahl einen klaren Sieger und auch eindeutige Verhältnisse im Kongress mit sich bringt. Allerdings halten wir die Wahrscheinlichkeit dafür eher für gering. Morgan Stanley senkte übrigens gerade seine Prognose dafür, dass das Wahlergebnis innerhalb einer Woche nach der Wahl klar ist von 70 auf 55 Prozent. Und erhöhte die Wahrscheinlichkeit für Klarheit am Wahlabend von 20 auf 35 Prozent. Garniert mit dem Tipp, auf North Carolina und Florida zu achten – wenn Trump hier verliere, sei die Sache durch. Gewinne er hier aber, werde die Schlacht in anderen Swing States toben, wo es dann eben doch länger dauern könnte.
Halten Sie sich also bereit – vielleicht sollten Sie einen Teil Ihres Geldes für Protective Puts auf die Wall-Street-Indizes oder Käufe des VIX bereithalten. Unnötig zu erwähnen, dass der VIX abtaucht und die Bullen die Börse überrennen werden, wenn es wider Erwarten doch schnell einen klaren Sieger geben wird. Die Bernstein-Bank wünscht erfolgreiche Trades und Investments!
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